Wer zerreißt Orpheus?

Zur europäischen Identität der Oper

Opernwelt - Logo

Die Zielrichtung der Oper ist zunächst etwas unklar. Einerseits wird sehr bald deutlich, dass sich um 1600 ein Medium etabliert, das wie kaum ein anderes für die höfische Repräsentation geeignet ist. Andererseits war es gerade dieser repräsentative Aspekt, der ganz essenziell mit Prachtentfaltung verknüpft war und den die frühen Autoren der Oper offensichtlich vermeiden wollten. Zwar ist die Annahme, die prachtvollen Florentiner Intermedien des 16. Jahrhunderts gehörten zu den wichtigsten Quellen der Oper, nicht von der Hand zu weisen.

Doch widerspricht die Erscheinungsform der frühen Opern diesen Intermedien so sehr, dass eher daran zu denken ist, hier sollte eine Gattung geschaffen werden, für welche die künstlerische Legitimation durch humanistische Bildungszirkel wichtiger war als die Legitimation durch den bei den frühen Opern noch gar nicht feststehenden Zweck. Obwohl es nur wenige Rezeptionszeugnisse gibt, scheint es doch so, dass das lange Deklamieren in diesen frühen Opern als eher unerfreuliche Erscheinung betrachtet wurde. Caccini etwa berichtete selbst, dass seine Oper «Il rapimento di Cefalo» deshalb nicht erfolgreich gewesen sei, weil man die Musik für langweilig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2011
Rubrik: Thema, Seite 34
von Michael Walter

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verzeichnet

Die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe «Platée», der man eingeredet hat, Obergott Jupiter sei ihr verfallen, und die das auch glaubt, bis sie, schon im Brautkleid, grausam enttäuscht und von allen verspottet wird – diese recht herzlose Geschichte kam 1745 in Versailles anlässlich der Hochzeit des französischen Thronfolgers mit der spanischen Infantin Maria...

Edita Gruberova

Ein paar Tage vor dem Probenbeginn in München war sie spazieren. Unweit von Zürich, in der Nähe ihres Hauses, wo sie noch einmal den Kopf freibekommen wollte für die nächsten Wochen. Da durchfuhr sie ein merkwürdiges, ein überraschendes Gefühl: «Was ist denn das?», habe sie sich gedacht. «Auf einmal freue ich mich richtig auf die ‹Traviata›.» Und irgendwie, so...

Apropos ... Lyrik

Frau Baechle, liegen die Gedichte von Anna Achmatova auf Ihrem Nachttisch?
Natürlich habe ich jetzt einiges von ihr gelesen: das «Poem ohne Held», das zu der Zeit entstand, in der auch die Oper spielt, dazu Erinnerungen, Literatur über die Stalin-Zeit und andere Achmatova-Gedichte. In der Oper selbst kommen allerdings nur zwei Gedichte von ihr vor.

Spielt die reale...