Wer ist ich?
Wenn sich der Vorhang öffnet und die schwarz ausgehängte Bühne freigibt, robbt ein nackter Mann mit einem überdimensionalen Hut über den Boden. Bald kommen zwei weitere nackte Performer hinzu – mit derselben spitz zulaufenden Kopfbedeckung, die mehr einer Ku-Klux-Klan-Maske als an einem Juden-Hut ähnelt. Dominiert wird die dunkle, meist nur dämmrig ausgeleuchtete Bühne von einem hochaufragenden, mit der schmalen Frontseite zum Auditorium ausgerichteten Glaskasten, in dem sich immer wieder geheimnisvoll stumme Szenen abspielen.
Vorne, in der Mitte, steht ein kleines, ebenfalls transparentes Wartehäuschen. Die Optik scheint starr, festgezurrt. Für bewegte Kontraste sorgen unablässig eingeblendete Bilder – rückseitig dient ein schmaler, die ganze Bühnenbreite einnehmender Video-Screen als Projektionsfläche, auf der in Zeitlupe eine farblich verfremdete Landschaft vorüberzieht; auf der Front des Glaskastens treiben grotesk verzerrte hermaphroditische Kartenspielfiguren ihr poetisch irrlichterndes Unwesen. Unablässig fällt Schnee aus dem Schnürboden, der am Ende im Video wieder aufwärts rieselt. Eine verrätselte Welt, deren Geheimnis sich auch am Ende nicht auflöst und die Zuschauer ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Uwe Schweikert
Ein knappes Jahr nach John Berrys Rücktritt hat sich ein neuer Artistic Director für die English National Opera gefunden: Daniel Kramer. Wie bitte, wer? Opernmäßig startete der heute 39-Jährige 2008 in der hauseigenen Young Directors Initiative durch: Mit Birtwistles «Punch and Judy» sahnte er einen South Bank Award ab. Im Coliseum imaginierte er dann «Herzog...
Für Musik vor 1800 ist «historisch informierte» Aufführungspraxis längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Mozart-Rezitative vom Konzertflügel begleitet, Händel-Streicher mit sattem Dauer-Vibrato, Bach-Cembalokonzerte auf dem Steinway: undenkbar.
Dabei scheinen der Annäherung an die Vergangenheit im Detail keine Grenzen gesetzt. Wo die einen auf bestimmten...
Die Zeiten, wo ein Vertrag bei einem großen Label die Weltkarriere verhieß, sind auch bei der Decca vorbei. Zuletzt sind CD-Versuchsballons mit Danielle de Niese oder Nicole Cabell rasch wieder gesunken. Nach ihrer erfolgreichen Debüt-CD «Voice of Hope» (vor zwei Jahren) gibt man Pumeza Matshikiza nun eine zweite, verdiente CD-Chance.
Bei der diesmal fast ganz...
