Stürmische Aussichten

Opernwelt - Logo

Ein knappes Jahr nach John Berrys Rücktritt hat sich ein neuer Artistic Director für die English National Opera gefunden: Daniel Kramer. Wie bitte, wer? Opernmäßig startete der heute 39-Jährige 2008 in der hauseigenen Young Directors Initiative durch: Mit Birtwistles «Punch and Judy» sahnte er einen South Bank Award ab. Im Coliseum imaginierte er dann «Herzog Blaubarts Burg» als Kellerverlies à la Josef Fritzl (OW 2/2010).

Der brutale Bartók stieß vielen auf, gefiel aber Valery Gergiev, der mit dem jungen Wilden in Sankt Petersburg «Pelléas» erarbeitete. In Leeds und Antwerpen lief «Carmen» – und in Genf mit der «Zauberflöte» etwas schief. Wegen künstlerischer Differenzen musste Kramer vorzeitig nach Hause. An der ENO steht jetzt «Tristan» an (Premiere: 9. Juni). Insgesamt hat Kramer mehr von sich reden als Oper gemacht; Leitungserfahrung muss er noch sammeln. Die richtige Wahl für das ramponierte Haus? Man wird sehen. Doch sie zeigt: Die Tradition der Risikobereischaft, sie gilt was, immer noch. Einen Kramer holt man nicht als Sterbebegleiter.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Editorial

Bald ist es wieder so weit. Das Budapest Festival Orchestra (BFO) hat zur großen Tanz-Party auf den Heldenplatz geladen. Rund 500 Kinder aus allen Teilen Ungarns will Iván Fischer, der das Orchester 1983 gemeinsam mit Zoltán Kocsis gründete, am 3. Juni in der Hauptstadt begrüßen. Die meisten kommen aus armen Familien, aus strukturschwachen Landstrichen, die es...

Schlamm zu Schlamm

Als ob es eine tief strömende, die Richtung ändernde Bewegung gäbe, vertrauen Komponisten wie Michael Wertmüller, Toshio Hosokawa, Miroslav Srnka, Johannes Kalitzke in jüngster Zeit wieder der Narration in ihrem Musiktheater, nennen es gattungsgerecht Oper. Auch Hans Thomallas neues Werk «Kaspar Hauser», eine «Oper in drei Akten», schreibt und schreitet einen Weg...

EX ORIENTE: Goldmarks «Königin von Saba» aus Freiburg

Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann ­geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...