Tödliches Schicksal
Eigentlich meint es das Schicksal gut mit Atys. Der sanfte, etwas schüchtern-zurückhaltende Jüngling wird geliebt von einer zauberhaften Nymphe. Und da auch Sangaride, die Tochter des Flussgottes Sangare, ihn anbetet, stünde dem Glück der beiden nichts mehr im Weg – wären da nicht jene zwei «Figuren», die ihre emo -tionale Neigung mit dem Besitz der Macht und deren Missbrauch verknüpfen. Hier Cybèle, dort Célénus. Die Göttin hat sich in den schönen, edlen Atys verguckt, dem phrygischen König wurde Sangaride zur Gattin versprochen.
Und das hat Folgen: Atys und Sangaride werden in einen verhängnisvollen, tödlichen Strudel gezogen, aus dem es kein Entrinnen gibt. Von finsteren Dämonen getrieben, erdolcht der für Augenblicke dem Wahn Verfallene seine Geliebte, die ihn zu dieser abscheulichen Tat trieb; als er aus der Trance erwacht und sieht, was er getan hat, richtet er sich selbst. Kein lieto fine, nirgends.
Als Jean-Baptiste Lullys Tragédie lyrique, die den Namen des Unglücksraben im Titel trägt, Anfang 1676 am Hofe Louis XIV, auf Schloss Saint-Germain-en-Laye, uraufgeführt wurde (mit einer entsprechenden Huldigung des Sonnenkönigs im «Prologue»), war es das erste Mal, dass ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
von Jan Verheyen
GARSINGTON FESTIVAL L’elisir d’amore, Pique Dame, Rodelinda
Manche betrachten es als liebenswerte Marotte, andere halten den Brauch, sich am Nachmittag für den Besuch der beinahe wie Pilze aus dem Boden schießenden Landhausopern der britischen Sommersaison in Schale zu werfen, für einen absurden Anachronismus – noch dazu, wenn man für das Picknick in der langen...
Schuberts drei große Liederzyklen hat Andrè Schuen bisher aufgenommen; die Resonanz war stark, teilweise überwältigend. Gewürdigt wurde die Schönheit von Schuens Stimme, die Intelligenz der analytischen Durchdringung, die Expressivität. Vom Lied mag der Bariton immer noch nicht ganz lassen, seine jüngste Veröffentlichung mit dem schlichten Titel «Mozart» bietet...
Die Schweizer Sprache hält einige Besonderheiten bereit, die man von außen her doch eher amüsiert betrachtet. Dazu zählt auch, neben der charmanten Begrüßung «Grüezi» und der flotten sportlichen Anfeuerung «Hopp Schwyz» auch der Begriff des «Redaktors», der bei Weitem nicht so charmant klingt wie das hochdeutsche «Redakteur», dieser eher prosaischen Tätigkeit aber...
