Tödliches Schicksal

Lullys «Atys» in einer hinreißenden Einspielung aus Versailles

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Eigentlich meint es das Schicksal gut mit Atys. Der sanfte, etwas schüchtern-zurückhaltende Jüngling wird geliebt von einer zauberhaften Nymphe. Und da auch Sangaride, die Tochter des Flussgottes Sangare, ihn anbetet, stünde dem Glück der beiden nichts mehr im Weg – wären da nicht jene zwei «Figuren», die ihre emo -tionale Neigung mit dem Besitz der Macht und deren Missbrauch verknüpfen. Hier Cybèle, dort Célénus. Die Göttin hat sich in den schönen, edlen Atys verguckt, dem phrygischen König wurde Sangaride zur Gattin versprochen.

Und das hat Folgen: Atys und Sangaride werden in einen verhängnisvollen, tödlichen Strudel gezogen, aus dem es kein Entrinnen gibt. Von finsteren Dämonen getrieben, erdolcht der für Augenblicke dem Wahn Verfallene seine Geliebte, die ihn zu dieser abscheulichen Tat trieb; als er aus der Trance erwacht und sieht, was er getan hat, richtet er sich selbst. Kein lieto fine, nirgends.

Als Jean-Baptiste Lullys Tragédie lyrique, die den Namen des Unglücksraben im Titel trägt, Anfang 1676 am Hofe Louis XIV, auf Schloss Saint-Germain-en-Laye, uraufgeführt wurde (mit einer entsprechenden Huldigung des Sonnenkönigs im «Prologue»), war es das erste Mal, dass ein ...

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Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
von Jan Verheyen

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