Wenn die Augen hören und die Ohren sehen
Der Name ist Programm: Als Matthias Osterwold 2002 in Berlin die erste «MaerzMusik» auflegte, nannte er das Projekt «Festival für aktuelle Musik».
Der schwammige Untertitel beschreibt präzise, worin sich Osterwolds Nachdenken über Stand und Perspektiven zeitgenössischer Klangkunst von jener «Musikbiennale» unterscheidet, die zuvor unter dem Dach der Berliner Festspiele die Fahne der Avantgarde hoch gehalten hatte: weg von den materialfixierten Dogmen der «Neuen Musik» nach Adorno, hin zu einer Öffnung, Mischung und Erweiterung musikalischer Spielformen, die sich aus unterschiedlichsten Quellen speisen. Dass die Zeit ästhetischer Fortschrittsgewissheit einstweilen vorbei und die kompositorische Praxis heute kaum mehr auf den Begriff zu bringen ist, sollte uns nicht schrecken, lautet das Credo der «MaerzMusik»-Macher – im Gegenteil: Das Durcheinander produktiver Energien, der postideologische Stil- und Werte-Pluralismus, die Auflösung hergebrachter Hierarchien zwischen «E» und «U» könnten uns animieren, die Ohren gründlich zu lüften, die Augen zu schärfen, kurzum: die Wahrnehmung immer wieder neu zu justieren.
«Klang Bild Bewegung» – unter diesem Motto stand die zehnte Saison der ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Albrecht Thiemann
Eine gute Oper zu komponieren, dürfte kaum je so schwer gewesen sein wie im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Zwischen Gluck und Mozart, dem deutschen Singspiel und der französischen Revolutionsoper gelang es kaum einem der zahlreichen Hofkomponisten, die oft noch mit den Formmodellen der späten Opera seria groß geworden waren, zu einem markanten...
«Trau keinem über dreißig!», war die Devise der Achtundsechziger. Die aufbegehrenden Studenten wussten, welch reaktionäre Seilschaften hinter den Kulissen manch altehrwürdiger Institutionen immer noch ihr Unwesen trieben. Die Verfehlungen der Vergangenheit sollten aufgedeckt werden, ebenso deren Weiterwirken; es galt, die Fassaden der Macht zu brechen. Dass die...
Vor vier Jahren war Katalonien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Im Rahmenprogramm hatte das Darmstädter Staatstheater vier Werke katalanischer Komponisten im Angebot, eines davon die mit vier Instrumentalisten und drei Sängern besetzte Kammeroper «La Cuzzoni» aus der Feder von Agustí Charles. Seinem erfolgreichen Musiktheaterdebüt sollte nun eine große Oper...
