Generation Freiheit

Die litauische Dirigentin Giedrė Šlekytė begann ihre Laufbahn am Stadttheater Klagenfurt. Inzwischen dirigiert sie an den Häusern in Dresden, Zürich, Mainz und Basel. Nächster Halt: Linz

Frau Šlekytė, Ihr Vorname bedeutet in unserer Sprache «heiter». Ist Heiterkeit eine vorherrschende Konstante Ihres Lebens?
Das wäre sehr schön. Aber ich lebe auf diesem Planeten, der mir zusehends Sorgen bereitet. Vielleicht sagen wir es so: Es gibt verschiedene Gefühle. Heiterkeit ist eines davon.
 
Was löst das eine wie das andere aus? Sind das künstlerische Momente? Oder eher Dinge politischer, gesellschaftlicher Natur?
Eine gute Frage.

Aber es sind vor allem gesellschaftliche Entwicklungen, die mich beunruhigen, vor allem der Klimawandel, dessen Folgen wir schon jetzt spüren. Was mich ebenfalls stark irritiert, ist der wachsende Egoismus in unserer Gesellschaft. Ich war zum Beispiel während der Pandemie weniger enttäuscht von der Politik der Regierungen als vielmehr von der Art und Weise, wie unsere Gesellschaft versucht hat, diese Krise zu bewältigen: Da wurden einige sehr egoistische Strömungen hochgespült, die Balance zwischen persönlicher Freiheit und sozialer Verantwortung stimmte nicht mehr.
 
Ist es nicht vielmehr so, dass diese krisenhafte Zeit lediglich offenbart hat, wie singularistisch unsere Gesellschaft längst geworden ist?
Vermutlich ist das so, ja. Gerade durch ...

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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Interview, Seite 34
von Jürgen Otten

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