Weniger wäre hier mehr

Ermonela Jaho setzt in Donizettis Liedern in erster Linie auf dramatische Akzente

Opernwelt - Logo

Zuverlässig im Halbjahrestakt schreitet Opera Rara mit seiner Gesamtaufnahme von Donizettis Sololiedern voran. Seit wenigen Wochen liegen die Teile 5 & 6 vor. Das ambitionierte, auf acht Alben angelegte Projekt dürfte also im kommenden Jahr zum Abschluss gelangen. Als Sängerin brilliert diesmal Ermonela Jaho. Ihr wurden vom Produktionsteam sowohl 18 Lieder in italienischer als auch 19 in französischer Sprache zugedacht. Wieder einmal kann man sich nur begeistern an erlesenen Beispielen von Donizettis vielseitiger Liedkunst.

Etwa an «Les billets doux», einer Klage, in der die Briefe eines untreuen Liebhabers dem Feuer überantwortet werden. In «La mère et l’enfant» erfahren wir, wie im bitterkalten Winter das Kind einer Bettlerin verhungert. «Le bal masqué», ein Drama en miniature, lenkt den Blick auf eine junge Frau, die entdeckt, wie sich ihr Partner in der gegenüberliegenden Loge des Opernhauses mit einer neuen Eroberung vergnügt.

Unter den italienischen Liedern fasziniert eine sehr freie Nachdichtung von Goethes Ballade «Der Fischer» mit ihren harschen Stimmungswechseln. Eine anrührende Klage auf Bellinis Tod – für Maria Malibran auf ein Gedicht Andrea Maffeis, des späteren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 32
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Dienen sollst du, dienen

Es ist nur ein «Schattenbild». Doch ein vielsagend-mehrdeutiges. Es zeigt den Dirigenten (nicht den Komponisten) Gustav Mahler, in vielen verschiedenen Posen und Positionen, bei seiner «Arbeit»; mal wild fuchtelnd, mal herrisch gebietend; mal mahnend, mal insistierend; mal drängend, mal distanzierend. Man kommt nicht umhin, in dieser liebevollen, posthum erstellten...

Triumph der Empfindsamkeit

Das höchste Lob für Irmgard Seefried stammte aus dem Mund von Elisabeth Schwarzkopf: «Wir alle beneideten sie, dass alles, was wir uns mühselig erarbeiten mussten, bei ihr so natürlich und selbstverständlich wirkte. Sie verstand es, mit dem Herzen zu singen.» Kühle Perfektion, Schönheit als Selbstzweck waren nie ihre Sache. Ein Star wollte sie nicht sein. Seefried...

Hollywood grüßt

Nach «The (R)evolution of Steve Jobs» von 2017 ist «The Amazing Adventures of Kavalier & Clay» die zweite Oper von Mason Bates, einem der populärsten Komponisten der USA. In einer Kooperation wurde das Stück vor einem Jahr zunächst an der School of Music der Indiana University erarbeitet, nun kam Bart Shers dynamische Inszenierung an die Met. Der Regisseur knüpft...