Wen interessiert schon Kultur?

Das Publikum in Fußballstadien unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen in Opernhäusern: Es versteht in aller Regel viel, viel mehr von dem, um was es geht.

Im Jahr zwei nach des Corona-Virus Geburt kam nun ziemlich unerwartet eine weitere wesentliche Unterscheidung hinzu: Fußball darf, Theater nicht. Die Frage nach der gesellschaftlichen «Reichweite» spricht dabei zweifellos für den Sport. Im Vergleich zu einer Fußballeuropameisterschaft ist (Musik-)Theater ein Randphänomen.

Fragen nach kulturellen «Werten», nach mehr oder weniger elitären Vorlieben sollen hier gar nicht erst gestellt werden. Doch sehr wohl die nach dem Infektionsrisiko (wobei Überlegungen zum Sinn und Unsinn des real existierenden Pandemie-Managements wiederum ausgeklammert seien).

Die Schutzkonzepte von Opernhäusern haben sich bewährt, von Infektionstreibern ist nichts bekannt. Die nur auf dem Papier existierenden Schutzkonzepte der UEFA haben sich ebenfalls bewährt – als offensichtliche Infektionstreiber, wie bei den Spielen in Sankt Petersburg und London eindrücklich zu besichtigen. Warum aber darf die UEFA inzwischen sogar einer Mobilität frönen, die dem gesunden Menschenverstand ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 102
von Anselm Gerhard (Bern)

Weitere Beiträge
Wichtige (Wieder-)Aufführungen der Saison

Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...

Erfinderisch

Blicken wir zurück. Am 14. März 2020 feierte die English National Opera (ENO)  die Premiere einer Neuproduktion von Mozarts «Le nozze di Figaro». Bereits die zweite Vorstellung wurde gestrichen, ebenso der Rest der Spielzeit. Das Royal Opera House (ROH) brachte am 1. März 2020 einen umjubelten neuen «Fidelio» heraus. Nach sechs weiteren Vorstellungen fiel die...

Gebrochenes Vertrauen

In Mozarts Musik gibt es Momente einer unwirklich überwirklichen Hoffnung. Ebenso unwirklich und überwirklich wie die Situation, in der ich sie im vergangenen Jahr, nach viermonatiger Schließung der Konzertsäle und Opernhäuser, erstmals wieder hörte, in «Così fan tutte» bei den Salzburger Festspielen. Man hatte etwas riskiert, in einer unüberschaubaren Lage – die...