Wen interessiert schon Kultur?
Das Publikum in Fußballstadien unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen in Opernhäusern: Es versteht in aller Regel viel, viel mehr von dem, um was es geht.
Im Jahr zwei nach des Corona-Virus Geburt kam nun ziemlich unerwartet eine weitere wesentliche Unterscheidung hinzu: Fußball darf, Theater nicht. Die Frage nach der gesellschaftlichen «Reichweite» spricht dabei zweifellos für den Sport. Im Vergleich zu einer Fußballeuropameisterschaft ist (Musik-)Theater ein Randphänomen.
Fragen nach kulturellen «Werten», nach mehr oder weniger elitären Vorlieben sollen hier gar nicht erst gestellt werden. Doch sehr wohl die nach dem Infektionsrisiko (wobei Überlegungen zum Sinn und Unsinn des real existierenden Pandemie-Managements wiederum ausgeklammert seien).
Die Schutzkonzepte von Opernhäusern haben sich bewährt, von Infektionstreibern ist nichts bekannt. Die nur auf dem Papier existierenden Schutzkonzepte der UEFA haben sich ebenfalls bewährt – als offensichtliche Infektionstreiber, wie bei den Spielen in Sankt Petersburg und London eindrücklich zu besichtigen. Warum aber darf die UEFA inzwischen sogar einer Mobilität frönen, die dem gesunden Menschenverstand ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 102
von Anselm Gerhard (Bern)
200 Jahre Einsamkeit? Weit gefehlt. Carl Maria von Webers «Freischütz», 1821 im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (unter der musikalischen Leitung seines Schöpfers) in die Welt gekommen, ist der Deutschen liebstes romantisches Opernkind. Was wiederum auch nicht stimmt, denn die imaginäre Sprache des Waldes, die in diesem Bühnenwerk hörbar wird, fand...
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...
Träumer waren sie, auf die eine und andere Art, beide. Doch nicht im naiven oder sentimentalischen Sinne. Ihre Ausflüge in die Welt des Un(ter)bewussten gingen darüber weit hinaus, sie trugen das Gepräge des Existenziellen, weil ihr Ziel darin bestand, die tiefere Bedeutung der Traumwelt zu erkunden. Dies vor allem sowie die große Lust, die Sphäre der Realität...
