Weltverbesserer
Wer hätte das gedacht? Dass einer, um den es zeitweilig schon etwas still geworden war, der mit dem Theaterbetrieb, mit der Theaterkunst haderte, wieder zu den stärksten, markantesten Stimmen im Konzert der zeitgenössischen Opernregie zählen würde? Im Januar ist Peter Konwitschny 73 Jahre alt geworden, doch von Erschöpfung ist nichts zu spüren.
Im Gegenteil – mit mehreren neuen Inszenierungen hat er in der vergangenen Saison vieldiskutierte Akzente gesetzt: etwa mit Cherubinis «Medea» in Stuttgart, Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» in Nürnberg und Othmar Schoecks «Penthesilea» in Bonn. Vor allem wegen dieser Produktionen ist Konwitschny, der so konsequent unzeitgeistig wie produktiv die Fahne Brechts und Felsensteins hochhält, zum sechsten Mal «Regisseur des Jahres»
Inszenierungen entstehen auf sehr unterschiedliche Weise, und nicht immer sieht man ihnen an, wie sie zustandekommen. Interessiert das überhaupt? Das Gros des Publikums will vielleicht nicht einmal wissen, ob Inszenieren eigentlich eine Kunst ist oder doch nur ein Handwerk. Haben nicht Rembrandt und Dürer sich selbst als Handwerker gesehen, ihr Atelier als Werkstatt und ihre Meisterschüler als Lehrlinge? Hat sich ...
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Ein bisschen erinnert das Ganze an die Geschichte von Phönix, der aus der Asche stieg: Immer wieder hat sich die Oper Frankfurt nach Krisen zu blühender Höhe aufgeschwungen, unterstützt von einem wohlsituierten, neugierigen Stadtbürgertum, das ästhetische Bildung nach wie vor für ein wesentliches Gut hält und dem Ungewohnten, Unerhörten gegenüber aufgeschlossen...
Das Vorbild Stuttgart leuchtete hindurch: Was am dortigen Opernhaus zur Jahrtausendwende für erhebliches Aufsehen gesorgt hatte, funktionierte nun auch am Badischen Staatstheater Karlsruhe: Vier Regieteams schmiedeten Richard Wagners «Ring», und viermal glänzte dieser auf ganz unterschiedliche Weise. Am schillerndsten geriet der letzte Teil der Tetralogie, die «Gö...
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs war die alte Ordnung Europas passé. Es folgten Jahre der sozialen und politischen Polarisierung. Auch über die Zukunft der Künste wurde erbittert gestritten. Nicht nur in der Oper hatte der Um- und Aufbruch natürlich schon vorher begonnen. Gibt manches Werk, damals uraufgeführt und heute wieder in den Blick genommen, Aufschluss...
