Welt und Weltflucht
Francis Poulencs Oper «Dialogues des Carmélites», die 1957 bei ihrer Erstaufführung in Köln von der Kritik verständnislos aufgenommen wurde, macht gegenwärtig die Runde an deutschsprachigen Bühnen. Mit dem gebührenden historischen Abstand nimmt man endlich auch hierzulande wahr, dass es sich um ein musikalisches Meisterwerk handelt. Nur vordergründig geht es um das Schicksal der 16 Nonnen des Karmels von Compiègne, die am 17.
Juli 1794, zehn Tage vor dem Ende der jakobinischen Schreckensherrschaft, vom Pariser Revolutionstribunal zum Tode verurteilt und mit der Guillotine hingerichtet wurden. Mit Naturalismus, erst recht dem des Kloster-Ambientes, kommt man dem Stück nicht bei. Wie Benedikt von Peter in seiner grandiosen Basler Inszenierung (siehe OW 5/2009) hat Thomas Bischoff jetzt in Stuttgart nach einer Übersetzung gesucht, sich aber für einen anderen Weg entschieden – nicht, wie von Peter, für die gewaltsame und damit die inwendige Gewalt des Stücks ausagierende Dekonstruktion, sondern für eine Übermalung, die dem Stoff eine weitere Schicht, die des Theaters auf dem Theater, hinzufügt.
Noch bevor die Musik einsetzt, sehen wir auf der leeren Bühne, in einem Sessel kauernd, La ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert
Mit ihrem Debüt-Recital «Jardin nocturne» verabreicht uns Isabelle Druet eine konzentrierte Dosis französischer Salon-Melancholie. Das Programm ist riskant, denn die 19 Lieder von sieben französischen Komponisten umkreisen die immer gleiche, depressive Nachtstimmung. Da droht Monotonie. Zumal sich das Repertoire literarischer Requisiten bald erschöpft. Das...
Man kann sich bei Barrie Kosky auf einiges verlassen: seinen Hang zur Überbetonung, zum Showhaften, zum Gag. Aber mit ein bisschen Glück mischt sich zum Glamour auch die starke Geste, zum Vorlauten auch das stille Moment.
Für Letzteres ist im hannoverschen «Ring», der jetzt mit «Siegfried» in die Zielgerade einbiegt, vor allem das stumme Erda-Double zuständig:...
Unsinn, du siegst, und ich muss untergeh’n...» So etwa mögen ein paar Unzufriedene nach der Premiere von Strauss’ «Salome» bei den Osterfestspielen Salzburg geätzt haben. Das Zitat aus Schillers «Die Jungfrau von Orleans» kommt einem freilich auch in den Sinn, wenn man liest, dass Simon Rattle das Festival in einem Interview als «ökonomischen Unsinn» bezeichnete....
