«Weitermachen ist mehr, als ich tun kann »

Viele von ihnen waren nahe dran. Die Arbeit war abgeschlossen, jetzt musste nur noch der Vorhang hochgehen. Dann kam Corona. Die Krise. Und fast alles wurde anders. Grund genug, einmal nachzufragen, wie es denen geht, die Oper inszenieren und damit auch unsere Fantasie beflügeln. 13 Regisseurinnen und Regisseure haben auf unsere Bitte hin ihre Gedanken, Gefühle, Ideen, Visionen und Ängste aufgeschrieben

Opernwelt - Logo

O Moon, please stay with me ...
Tatjana Gürbaca

Gestern habe ich die schrecklichen Bilder aus Italien in den Nachrichten gesehen: Tote, die in einem Konvoi von Militärfahrzeugen abtransportiert werden, Krankenhauspersonal, das an der Grenze seiner Belastbarkeit berichtet, dass nun entschieden werden muss, wessen Leben gerettet werden kann.

Als wir im Februar nach London fliegen, ahnt niemand, welche Dimension die Corona-Pandemie noch erreichen wird. Uns beschäftigt Sturmtief Chiara.

Es lässt meine Kostümbildnerin Barbara Drosihn und mich am geplanten Abreisetag nicht starten, unverrichteter Dinge müssen wir die Maschine verlassen, bekommen unser Gepäck ausgehändigt und finden uns verwundert vor den eigenen Wohnungstüren wieder. Die Proben zu «Rusalka» werden verschoben.

Dann aber, fünf Tage später: London! Vibrierend vor Energie, wo die Kulturen sich mischen und die Vergangenheit so nah scheint wie die Zukunft. Wir wohnen in Chinatown («Ausgerechnet!», höre ich von einigen Bekannten und ärgere mich, dass Ängste sofort in Rassismus münden), lassen uns in Straßen unter roten Papierlaternen treiben, essen köstliche gedämpfte Buns und fahren mit der Tube durch die halbe Stadt. Das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Focus Spezial, Seite 4
von

Weitere Beiträge
Besucher ohne Theater

Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress. Tagsüber behandle ich...

Die größte Barriere ist der erste Besuch

Die jüngste Produktion des Theaters für Niedersachsen musste unmittelbar vor der Premiere abgesagt werden. Ein ehrgeiziges Projekt: Die Barockspezialistin Sigrid T’Hooft hatte für Hildesheim Reinhard Keisers «Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus» inszeniert. Vor wenigen Jahren kursierten noch Schließungsgerüchte um das 600-Plätze-Haus. Dann machte...

Grandioses Hörtheater

Es war eine nette Bekanntschaft, die der weise alte Schauspieler und der junge Pianist gemacht hatten. Unbedingt wollten sie in Kontakt bleiben und sogar gemeinsame Projekte realisieren, was allerdings nicht einfach war, denn der berühmte Schauspieler war für einige Filme engagiert. Doch er, der Pianist, möge ihn oft per Mail erinnern. Und so schlug der 35-jährige...