Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Über Mechanismen des Kapitalismus wissen Zuschauer und Mitspielende der Berliner Neuinszenierung von Anfang an Bescheid – womit soll ein Lehrstück namens «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny», das seine Pointe bereits im Titel trägt, auch überraschen? Die Protagonisten erschaffen Mahagonny und zerstören sich selbst in schöner Folge – mit Hilfe von Brechts Regieanweisungen, die nun an die Brandmauer der leeren Bühne der Komischen Oper projiziert werden. Ein Jakob Schmidt, der drei Kälber gefressen hat, liest auf der Wand, dass er nun folgerichtig tot umfallen muss.
Indem Homoki das Stück selbst der Determination des in ihm vorgeführten Systems aussetzt, geht er über den immanenten Gehalt hinaus. Das ist auch nötig, denn die Erkenntnis, dass der in Mündigkeit und Kapitalismus entlassene Mensch sich selbst zerstört, bietet rund achtzig Jahre nach der Entstehung des Stückes so wenig Kritik- wie Korrekturpotenzial.
Die «Mahagonny»-Oper, wo selbst Gefühle erlöschen, sobald das Geld fehlt, ist vielleicht das traurigste Stück, das Brecht je geschrieben hat. Dass der Holzfäller Jim Mahoney am Ende nicht hingerichtet, sondern nur von Mahagonnys ehemaligen Bewohnern vor der Brandmauer ...
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