Weibliches Martyrium
Das Bild Neda Agha-Soltans, die bei einer Demonstration im Juni 2009 in Teheran starb, wurde zur Ikone der «Grünen Revolution». Der aus dem Iran stammende Komponist Nader Mashayekhi machte die von Milizen erschossene Studentin zur Titelgestalt seiner Oper «Neda – der Ruf», die – 2010 am Theater Osnabrück uraufgeführt – nun am Pfalztheater Kaiserslautern ihre Zweitaufführung erlebte. Als konkrete Bühnenfigur tritt Neda nirgends in Erscheinung: Ihr Schicksal schiebt sich vielmehr wie eine unsichtbare Folie vor die eigentliche Bühnenhandlung.
Leibhaftig präsent ist hingegen der altpersische Dichter Nizami – berühmt für seine Wortgewalt und sein fortschrittliches Frauenbild. Das Libretto verwebt Figuren aus Nizamis Epen mit der Biografie des um 1141 geborenen Dichters.
In seiner dichterischen Imagination lauscht Nizami (kraftvoll und facettenreich charakterisiert von Wieland Satter) dem Gesang der Paradiesjungfrauen, die der Ankunft der männlichen Helden harren. Aus ihrem Chor treten drei streithafte Frauengestalten hervor: die Amazonenkönigin Nuschabe, die einen Frauenstaat errichten will (voll dunkler Intensität: Xiaoyi Xu), die männermordende Prinzessin Turandot (mitunter etwas ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Silvia Adler
Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses...
Diese Ausgrabung von Nico Dostals 1936 uraufgeführter Operette zeigt vor allem eines: unter welchen Bedingungen unterhaltendes Musiktheater nach drei Jahren NS-Kulturpolitik stattfand, nachdem mit den jüdischen Künstlern auch der freche Witz und der freie Geist aus den Theatern vertrieben worden waren. Dostals Librettist Rudolf Köller mag ein belesener Mann gewesen...
Das Hirn hat Beine, damit es tanzen kann. Unablässig bewegt es sich zu den sich ständig wiederholenden Klangmotiven, kommt dabei nicht von der Stelle, ausgestellt und ganz für sich. Unter den vielen Bildern, die Kay Voges in seiner Deutung von «Einstein on the Beach» präsentiert, ist das tanzende Riesenhirn das zentrale. Darin stecken viele Grundgedanken dieses...
