Weibliches Martyrium
Das Bild Neda Agha-Soltans, die bei einer Demonstration im Juni 2009 in Teheran starb, wurde zur Ikone der «Grünen Revolution». Der aus dem Iran stammende Komponist Nader Mashayekhi machte die von Milizen erschossene Studentin zur Titelgestalt seiner Oper «Neda – der Ruf», die – 2010 am Theater Osnabrück uraufgeführt – nun am Pfalztheater Kaiserslautern ihre Zweitaufführung erlebte. Als konkrete Bühnenfigur tritt Neda nirgends in Erscheinung: Ihr Schicksal schiebt sich vielmehr wie eine unsichtbare Folie vor die eigentliche Bühnenhandlung.
Leibhaftig präsent ist hingegen der altpersische Dichter Nizami – berühmt für seine Wortgewalt und sein fortschrittliches Frauenbild. Das Libretto verwebt Figuren aus Nizamis Epen mit der Biografie des um 1141 geborenen Dichters.
In seiner dichterischen Imagination lauscht Nizami (kraftvoll und facettenreich charakterisiert von Wieland Satter) dem Gesang der Paradiesjungfrauen, die der Ankunft der männlichen Helden harren. Aus ihrem Chor treten drei streithafte Frauengestalten hervor: die Amazonenkönigin Nuschabe, die einen Frauenstaat errichten will (voll dunkler Intensität: Xiaoyi Xu), die männermordende Prinzessin Turandot (mitunter etwas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Silvia Adler
Es sieht fast so aus, als falle die lateinamerikanische Operngeschichte in das Fachgebiet der Architektur. Denn wirklich berühmt sind allein zwei Häuser: das Teatro Amazonas in Manaus und das Teatro Colón in Buenos Aires. Und sie sind nicht für die dort gespielte Musik berühmt. Im brasilianischen Manaus erklang fast 100 Jahre lang überhaupt keine Oper; in Buenos...
Sydneys Geizkragen-Oper ist ein Widerspruch in sich: Auf den Einspielungen von Vivaldis «Bajazet» und Grétrys «L’amant jaloux» ist sie mit Hörgeschenken äußerst freigebig. Ohnehin macht der Name «Pinchgut Opera» (Pinchgut = Geizhals) Schmunzeln – er geht auf ein vom Volkmund so benanntes Gefängnis im Hafen von Sydney zurück. Nicht, dass die «Pinchguts» die eigene...
Ein zweites Mal ausgebootet. Zunächst von Ulisse, dann von dessen Sohn Telemaco – nicht verwunderlich, dass die Oper mit einer Rache-Arie der göttlichen Calipso endet. Wobei: Es ist eher ein Wüten von der Stange, weniger aus originellem Musikerfindergeist geboren, mit dem Johann «Giovanni» Simon Mayr die Zuhörer entlässt. Zum Zeitpunkt seines «Telemaco», am 11....
