Geiz ist geil
Sydneys Geizkragen-Oper ist ein Widerspruch in sich: Auf den Einspielungen von Vivaldis «Bajazet» und Grétrys «L’amant jaloux» ist sie mit Hörgeschenken äußerst freigebig. Ohnehin macht der Name «Pinchgut Opera» (Pinchgut = Geizhals) Schmunzeln – er geht auf ein vom Volkmund so benanntes Gefängnis im Hafen von Sydney zurück. Nicht, dass die «Pinchguts» die eigene Tätigkeit als kriminell einstuften; man wollte bloß einen Begriff, «der für Sydney typisch ist» und vor allem «an das knappe Budget der Kompanie erinnert».
Aber schon die Adresse Strawberry Hills verheißt definitiv Idyllischeres, was sich auch im Programm widerspiegelt: Man hat sich mit Leidenschaft dem Musiktheater von der Spätrenaissance bis zur Frühklassik verschrieben und seit 2002 fast eineinhalb Dutzend Opernraritäten ausgegraben.
Vivaldis Pasticcio «Bajazet» aus dem Jahr 1735 mit «Beiträgen» von Geminiano Giacomelli, Johann Adolph Hasse, Farinellis Bruder Riccardo Broschi und anderen, wobei angeblich Vivaldis Sänger sich diese aussuchten, ist quasi ein jüngerer Verwandter von Händels «Tamerlano» (1724). In den beiden librettogleichen Werken geht es – mit barocktypischem Drumherum von Liebeshändeln und Intrigen – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Von einem derart stimmigen Ergebnis können die meisten Opernhäuser in Italien nur träumen. An den fondazioni liriche zwingen die Gewerkschaften auch den historisch informiertesten Pultchef, sich mit dem zu begnügen, was das ansässige Orchester herzugeben willens ist. Doch am Teatro Regio in Turin hat es Ottavio Dantone jetzt geschafft, den Musikern für Vivaldis...
Prozession einmal anders. Die weibliche Hofgesellschaft trägt beim feierlichen Einzug in die Wartburg den Hidschab; die Ritter an ihrer Seite halten sich an den Koran. Der iranische Regisseur und Theaterautor Amir Reza Koohestani, der in Darmstadt mit Wagners «Tannhäuser» seine erste Oper inszenierte, verlegt den Sängerwettstreit um das wahre Wesen der Liebe vom...
Zum Lachen geht man in Dresden jetzt in den Keller: Das Kabarett «Herkuleskeule» hat nämlich eine neue Spielstätte, im Untergeschoss des Kulturpalasts. Durch die Entscheidung, dem 1969 symbolträchtig ins historische Zentrum geklotzten Bau seine Außenhaut zu lassen, ihn innen aber völlig zu entkernen, entstand zusätzlicher Raum: Die riesige, für Orchesterkonzerte...
