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Ein zweites Mal ausgebootet. Zunächst von Ulisse, dann von dessen Sohn Telemaco – nicht verwunderlich, dass die Oper mit einer Rache-Arie der göttlichen Calipso endet. Wobei: Es ist eher ein Wüten von der Stange, weniger aus originellem Musikerfindergeist geboren, mit dem Johann «Giovanni» Simon Mayr die Zuhörer entlässt. Zum Zeitpunkt seines «Telemaco», am 11. Januar 1797 in La Fenice uraufgeführt und fast einen Monat lang pausenlos auf dem Spielplan, stand der Donizetti-Lehrer aus Oberbayern noch am Anfang seiner Opernkarriere.
Man hört es auf dieser Einspielung mit ihren oft formelhaften Arien, die der rührige Nachlassverwalter des Mayr’schen Œuvres vorlegt. Ohne Dirigent und Partiturenforscher Franz Hauk, ohne die Ingolstädter Mayr-Gesellschaft wäre vielen nicht klar, dass es da ein missing link zwischen Wiener Klassik-Galanterie und Belcanto gegeben hat.
Schon einige Gesamtaufnahmen hat Hauk gestemmt. Manches war etwas anfechtbar, der «Telemaco» mit seinen knappen Nummern und «französischen» Balletten aber stellt sehr zufrieden. Das liegt vor allem am Concerto de Bassus. Man spielt auf historischen Instrumenten, dabei wendig, mit Delikatesse in den Soli und eloquent in der ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Markus Thiel
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