Wegzauber-Künstler

Mozart: Don Giovanni Hannover / Staatsoper

Opernwelt - Logo

Der Letzte macht das Licht aus. Er hat es ja auch angemacht. In der Staatsoper Hannover dreht Leporello Glühbirnen in die kleinen Leuchten am Rampenrand, ehe das Spiel beginnt. Und am Ende werden sie wieder eingesammelt. Dazwischen gibt es ein erstaunliches Spiel mit Licht und Schatten, mit Erwartungen und Enthaltungen.

Was man allerdings nicht zu sehen bekommt, ist der Titelheld. Eine «Giovanni»-Aufführung, in der Don nie zu sehen ist, dürfte einmalig sein. Dahinter steckt Benedikt von Peter, als Opernregisseur ein Meister der Dislokation, ein Wegzauberkünstler.

In Hannover hat er schon die Distanz zwischen Zuschauern und Akteuren verschwinden lassen (bei Nonos «Intolleranza») und in «La traviata» Violetta Valéry mutterseelenallein auf die Bühne gesetzt. In Bremen hat er für eine szenische Aufführung von Mahlers 3. Sinfonie das Orchester lange hinter einem Bretterzaun versteckt und die «Bohème» ganz auf die männlichen Bohemiens (Pech für Mimì und Musette) konzentriert. Und jetzt also ein «Don Giovanni», in der man vom Verführer immer nur die behandschuhten Hände sieht – und seine Wirkung auf die Verführten. Das allerdings in Großaufnahme. Katrin Wittigs Bühnenbild wird von einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Schlachthof

Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der...

Unter Kitschverdacht

Am Ende steht ein roter Punkt. Er prangt auf einem überdimensionalen Schwarzweißfoto, das die tote Mimì zeigt. Schon drängen sich die Atelier-Besucher um das Bild der Toten. Das Sterben als Attraktion, als Kunstwerk, als Ware. Tod geht immer gut. Eine sichere Nummer auf jeder Vernissage. Das Bild der Hingegangenen mit rotem Punkt – schon verkauft.

Andrea Moses hat...

Der Teufel sitzt im Labor

Sehen sie nicht alle irgendwie geklont aus? Die Damen hinter den neonbeleuchteten Schaufenstern im Amsterdamer Rotlichtbezirk tragen uniform Perücken, sitzen, wenn überhaupt, in engem Latex da, blicken ausdrucklos unter dicken Makeup-Schichten oder zeigen totaloperierte Brüste. Und in dieser Gegend ­neben dem Hauptbahnhof scheint auch Àlex Ollé seine ästhetischen...