Mustergültig

Holger Falk und Steffen Schleiermacher interpretieren Lieder von Wolfgang Rihm

Opernwelt - Logo

Kurz vor der Uraufführung seines «Wölfli-Liederbuchs» meldete sich Wolfgang Rihm mit einer Bitte an die Interpreten zu Wort: Die sieben Stücke sollten «in dynamische Extreme» geführt werden; «wenn dasteht fffpppfff, ist das physische Zuckung ... Ich stelle mir das Ganze vor: karg und glühend, eisig heiß, winterlich ohne Naturbild».

Was der damals (1981) 29-Jährige formulierte, darf nicht nur für seine Auseinandersetzung mit dem Klavierlied als programmatisch gelten – als Bekenntnis eines musikalischen «Triebtäters», der in bewusster Abgrenzung vom systemischen Denken der Darmstädter Nachkriegsavantgarde eine Klangpoetik der spontanen, haptisch-expressiven, aus dem Unbewussten schöpfenden Ent-Äußerung propagierte.

Freilich spricht hier kein Subjekt, das sich aus allen Bezügen heraussprengt, um die eigene Autonomie zu sichern. Rihms schwindelerregende Produktivität speist sich eher aus den Impulsen eines schöpferischen ES, das in einem riesigen Resonanzraum schwingt. Aufs Lied, zumal das «Wölfli-Liederbuch», bezogen heißt das: Natürlich klingen – hintergründig, untergründig – Schubert, Schumann, Brahms, Wolf mit; die Glut des romantischen Klavierliedes ist nicht erloschen. Natürlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Belcanto mit Orientalismen

Emilio Arrieta (1821–1894) wusste, was man als Komponist einer Mäzenin wie Königin Isabella II. schuldet. Die zweite Oper, «La Conquista di Granata» (Die Eroberung von Granada) wurde 1850 am Madrider Hof uraufgeführt – und der in Mailand ausgebildete Navarreser tat darin alles, um die Vorgängerin seiner royalen Gönnerin ins beste Licht zu rücken.

Dass die Oper...

Schreiben, treiben

Eine Frau betrügt ihren Mann mit einem Jüngling. Ihr Mann gibt ihr das Herz des Jünglings zu ­essen, woraufhin sie sich umbringt. Eine klassische Dreieckskonstellation mit blutigem Ausgang. Eine ­Geschichte, die erzählt werden will. Und in George Benjamins «Written on Skin» (siehe OW 9-10/2012) wird sie erzählt – vordergründig linear. Doch Martin Crimp spielt in...

Zum Raum wird hier der Klang

Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» markieren eine kopernikanische Wende in der Operngeschichte. Die dort erstmals verwirklichte Vorstellung von der Kugel­gestalt, «zu der sich die Zeit biegt» – in Zimmermanns Worten «der Gedanke von der Einheit der Zeit als Einheit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft» –, hat das Musiktheater nachhaltig verändert. Das...