Wechselspiel
Vorn, ganz nah am Wasser des Bodensees, ein in Blau getränkter Raum. Das Refugium des Calaf, zugleich aber auch die Arbeitsklause des Komponisten. Auf dem Klavier windbewegte Noten. Sinnend hockt er da und betätigt eine Spieluhr, wie auch Giacomo Puccini eine besaß. Es ertönt eine Melodie, die nachher auch in dessen letzter, unvollendeter Oper «Turandot» erklingt. Und der Sänger des Calaf trägt einen Schnauzer, dem des Komponisten auffallend ähnlich. Für den Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli gilt die Gleichung: Calaf ist Puccini.
Freilich: Hat der beharrliche Kampf des «unbekannten Prinzen» um die Liebe der männerhassenden und -mordenden Turandot letztlich doch noch Erfolg, so war das beharrliche Streben des an Kehlkopfkrebs leidenden Opernschöpfers nach der Vollendung seines Werks vergeblich.
Drinnen im Bregenzer Festspielhaus eine bühnenhimmelhohe, steile Treppe. Was Christof Hetzer für «Hoffmanns Erzählungen» bauen ließ, machte den Pariser Folies Bergère oder den Varietétempeln von Las Vegas alle Ehre. Und bald trippelt ein schmächtiger Herr, angelichtetes Haar, Kneifer, Backenbart, das Cello in der Rechten, die Stufen hinab: unverkennbar Jacques Offenbach. Auch ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Bei der Uraufführung am 28. November 1813 in Neapels Teatro San Carlo sang Isabella Colbran die Titelpartie. Zehn Jahre später gab Giuditta Pasta die korinthische Königstochter in einer überarbeiteten Fassung. Doch bald sollte Simon Mayrs «Medea in Corinto» von Luigi Cherubinis bereits 1797 komponierter «Médée» überflügelt werden – und geriet in Vergessenheit. Ihre...
Wolfgang Rihms «Eroberung von Mexico» ist keine Oper, wie es sie von Graun, Spontini oder Sessions zum selben Thema gibt. Man könnte sogar sagen: Hier schreibt jemand an gegen die Oper, gegen ihren Guckkasten, gegen erwartbare Gefühle, gegen lineares Erzählen, gegen eine Musik, die psychologisieren will, gegen eine Sprache, die bloß als Figurenrede daherkommt. Es...
Man sagt ja, Kriminelle kehren immer an den Ort ihres Verbrechens zurück. Wie jemand so blöd sein kann, war mir zwar immer schleierhaft. Aber es stimmt. Gilt auch für mich. Das muss ich jetzt einsehen. Offenbar ist mein krimineller Instinkt bloß ein bisschen lahm – ich habe mir 24 Jahre Zeit gelassen, bevor ich wieder in Aix aufschlug.
Als wir 1991 mit Brittens...
