Wechselspiel
Vorn, ganz nah am Wasser des Bodensees, ein in Blau getränkter Raum. Das Refugium des Calaf, zugleich aber auch die Arbeitsklause des Komponisten. Auf dem Klavier windbewegte Noten. Sinnend hockt er da und betätigt eine Spieluhr, wie auch Giacomo Puccini eine besaß. Es ertönt eine Melodie, die nachher auch in dessen letzter, unvollendeter Oper «Turandot» erklingt. Und der Sänger des Calaf trägt einen Schnauzer, dem des Komponisten auffallend ähnlich. Für den Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli gilt die Gleichung: Calaf ist Puccini.
Freilich: Hat der beharrliche Kampf des «unbekannten Prinzen» um die Liebe der männerhassenden und -mordenden Turandot letztlich doch noch Erfolg, so war das beharrliche Streben des an Kehlkopfkrebs leidenden Opernschöpfers nach der Vollendung seines Werks vergeblich.
Drinnen im Bregenzer Festspielhaus eine bühnenhimmelhohe, steile Treppe. Was Christof Hetzer für «Hoffmanns Erzählungen» bauen ließ, machte den Pariser Folies Bergère oder den Varietétempeln von Las Vegas alle Ehre. Und bald trippelt ein schmächtiger Herr, angelichtetes Haar, Kneifer, Backenbart, das Cello in der Rechten, die Stufen hinab: unverkennbar Jacques Offenbach. Auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Sehnsucht nach neuem Musiktheater – das ist in Moskau nichts Neues. Doch auf eine so produktive Spielzeit wie die letzte hat die Stadt lange warten müssen. Jetzt wurden die hochgespannten Erwartungen sogar übertroffen. Zumal die Uraufführungen wirkten wie Kampfansagen der zeitgenössischen Oper an die verhängnisvolle politische Entwicklung Russlands: eines Staates,...
Mitte August konnte man sie noch herunterladen. Die Saisonübersicht 2015/16 der Oper Köln, Ende Mai erst fertig geworden. Neun Premieren, acht Wiederaufnahmen, drei Tanzgastspiele im großen Haus. «Die Zeit des Interims ist vorbei», jubelt Oberbürgermeister Jürgen Roters in seinem Grußwort. Und Intendantin Birgit Meyer fiebert dem Einzug ins alte Heim mit Wagners...
Herr Tomlinson, eine Ihrer überragenden Rollen war Hagen in Wagners «Götterdämmerung». Warum gerade ein solcher Fiesling?
Eben deswegen! Ich hatte, grundsätzlich gesprochen, für alle meine Rollen Sympathie. Sogar mit Claggart in Brittens «Billy Budd», der nun wahrlich böse ist. Auch für den Ochs im «Rosenkavalier» habe ich eine Schwäche. Der ist ein Kind der Natur –...
