Wechselspiel
Vorn, ganz nah am Wasser des Bodensees, ein in Blau getränkter Raum. Das Refugium des Calaf, zugleich aber auch die Arbeitsklause des Komponisten. Auf dem Klavier windbewegte Noten. Sinnend hockt er da und betätigt eine Spieluhr, wie auch Giacomo Puccini eine besaß. Es ertönt eine Melodie, die nachher auch in dessen letzter, unvollendeter Oper «Turandot» erklingt. Und der Sänger des Calaf trägt einen Schnauzer, dem des Komponisten auffallend ähnlich. Für den Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli gilt die Gleichung: Calaf ist Puccini.
Freilich: Hat der beharrliche Kampf des «unbekannten Prinzen» um die Liebe der männerhassenden und -mordenden Turandot letztlich doch noch Erfolg, so war das beharrliche Streben des an Kehlkopfkrebs leidenden Opernschöpfers nach der Vollendung seines Werks vergeblich.
Drinnen im Bregenzer Festspielhaus eine bühnenhimmelhohe, steile Treppe. Was Christof Hetzer für «Hoffmanns Erzählungen» bauen ließ, machte den Pariser Folies Bergère oder den Varietétempeln von Las Vegas alle Ehre. Und bald trippelt ein schmächtiger Herr, angelichtetes Haar, Kneifer, Backenbart, das Cello in der Rechten, die Stufen hinab: unverkennbar Jacques Offenbach. Auch ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Rossini hat Olga Peretyatko Glück gebracht. Auftritte beim Festival in Pesaro haben ihrer Karriere seit 2006 jenen Schwung gegeben, der sie an viele große Bühnen der Welt führen sollte. Einige Rossini-Arien hatte die Sängerin schon auf ihrem vor vier Jahren erschienenen Debütalbum «La bellezza del canto» gesungen, das jüngste Album ist nun ganz der Musik dieses...
Wolfgang Rihms «Eroberung von Mexico» ist keine Oper, wie es sie von Graun, Spontini oder Sessions zum selben Thema gibt. Man könnte sogar sagen: Hier schreibt jemand an gegen die Oper, gegen ihren Guckkasten, gegen erwartbare Gefühle, gegen lineares Erzählen, gegen eine Musik, die psychologisieren will, gegen eine Sprache, die bloß als Figurenrede daherkommt. Es...
Konzertante» Aufführungen von Opern hat es immer gegeben: zunächst vor allem im privaten Rahmen wie noch bei der einzigen Wiener Aufführung des «Idomeneo» zu Mozarts Lebzeiten. Oder im Umgang mit avantgardistischen Werken wie 1874 bei der ersten Wiener (Teil-)Aufführung von Wagners «Die Walküre» mit zwei Klavieren. Ähnlich, als sich das offizielle Paris verweigerte...
