Der Befreier Tod

Luzern, Verdi: Rigoletto

Opernwelt - Logo

Lauter Applaus nach einer eindringlichen «Rigoletto»-Premiere. Der Beifall galt vorerst den Sängern – hier und da etwas unkritisch, muss man anmerken. Einer wunderbar innigen und zugleich brillant höhensicheren, in ihrer kindlichen Unerfahrenheit und Verletzlichkeit über­aus glaubwürdigen Jutta Böhnert als Gilda stand Hector Sandoval als Herzog gegenüber, der mit viel Kraft manche Wendung etwas frei gestaltete, jedenfalls die Leichtlebigkeit des Mantuaner Herzogs vor allem mit Intensität zu meis­­tern suchte.

Der stimmliche Kraftakt deckte sich in gewisser Weise auch mit der Regie, die den Lebemann zugleich als rücksichtslos und gewalttätig zeichnete. Gregor Dalal hingegen gewann als ­Rigoletto von Anfang an die Sympathien: In seiner Gespaltenheit aus Spaßmacher und einem Menschen, der in ständiger Angst um seine Tochter und damit auch der Entdeckung seiner wahren Identität lebt, ist er um ein weites Spektrum an Klangnuancen bestrebt. Leider mangelte es den leisen Tönen etwas an Substanz.
Der Beifall galt aber ebenso sehr der Inszenierung. Die junge Regisseurin Vera Nemirova, Assis­tentin von Ruth Berghaus und Meisterschülerin von Peter Kon­witschny, hat erneut auf sich aufmerksam ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Hanspeter Renggli

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sternstunden eines Ensembletheaters

Die Deutsche Oper am Rhein ist mit Recht stolz auf ihre Tradition als Ensembletheater. Viele ihrer Sänger haben internationale Karrieren gemacht und sind trotzdem ihrem Stammhaus treu geblieben. Nicht alle freilich konnten sich ausreichend auf Tonträgern verewigen. Deshalb waren die Vorstellungen in Düsseldorf wie in Duisburg für «Piraten» von jeher beliebte...

Die verkaufte Braut

Wenigstens auf den Wettbewerb würden Freiburg und Saarbrücken gewiss liebend gern verzichten – den Wettbewerb nämlich, welches der beiden Häuser dem unwürdigeren Spardruck ausgesetzt ist. Als Gaetano Donizettis «Lucia di Lammermoor» dort im Zwei-Wochen-Abstand Premiere hatte, schien das Saarländische Staatstheater vorn zu liegen. Beeindruckend, wie sich der...

Traumtänzer und Melancholiker

Er liebt seine Jungen, vielleicht allzu sehr. Das verzeiht er sich nicht und quält sie, sucht die Berührung in der Aggression, stößt sie weg von sich, um sie danach umso zärtlicher wieder an sich zu drücken. Und den Neuen küsst er dort auf den Nacken, wo er ihm vorher einen blauen Fleck verpasst hat. Peter Grimes ist in der Innsbrucker Erstaufführung von Brittens...