Der Befreier Tod
Lauter Applaus nach einer eindringlichen «Rigoletto»-Premiere. Der Beifall galt vorerst den Sängern – hier und da etwas unkritisch, muss man anmerken. Einer wunderbar innigen und zugleich brillant höhensicheren, in ihrer kindlichen Unerfahrenheit und Verletzlichkeit überaus glaubwürdigen Jutta Böhnert als Gilda stand Hector Sandoval als Herzog gegenüber, der mit viel Kraft manche Wendung etwas frei gestaltete, jedenfalls die Leichtlebigkeit des Mantuaner Herzogs vor allem mit Intensität zu meistern suchte.
Der stimmliche Kraftakt deckte sich in gewisser Weise auch mit der Regie, die den Lebemann zugleich als rücksichtslos und gewalttätig zeichnete. Gregor Dalal hingegen gewann als Rigoletto von Anfang an die Sympathien: In seiner Gespaltenheit aus Spaßmacher und einem Menschen, der in ständiger Angst um seine Tochter und damit auch der Entdeckung seiner wahren Identität lebt, ist er um ein weites Spektrum an Klangnuancen bestrebt. Leider mangelte es den leisen Tönen etwas an Substanz.
Der Beifall galt aber ebenso sehr der Inszenierung. Die junge Regisseurin Vera Nemirova, Assistentin von Ruth Berghaus und Meisterschülerin von Peter Konwitschny, hat erneut auf sich aufmerksam ...
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