Warten auf Tschechow
Durchs Hagener Theater weht ein leiser Hauch von Buenos Aires. Ein Akkordeon ist es, mit einer wehmütigen Melodie, die auch von Astor Piazzolla stammen könnte. Komponiert hat sie aber Péter Eötvös für seine Tschechow-Oper «Tri sestry», als Inbegriff jener Melancholie, die schon im zugrundeliegenden Theaterstück fast alle Personen ergreift, von Beginn an. Tschechows Menschen suchen das (kleine) Glück immer dort, wo es gerade nicht ist, und sie warten auf etwas, das dann meist nicht geschieht. Im schlimmsten Fall das Leben selbst. Ihr Leben. Und das der anderen.
Eötvös’ Partitur bildet das mit feingliedrigem, nie übermäßig aufschäumendem Klangsinn ab, aber auf zwei Ebenen. Joseph Trafton dirigiert im Orchestergraben das filigran spielende Ensemble Musikfabrik, Co-Dirigent Taepyeong Kwak, verborgen hinter meterhoch aufgetürmten Stühlen, die nie benutzt werden, leitet auf der Bühne das klangschön musizierende, vor einem riesigen Spiegel postierte Philharmonische Orchester Hagen. Ein triftiges Bild, zeigt doch jener Spiegel, in den die Protagonistinnen und Protagonisten in «Tri Sestry» schauen, ihnen allen nicht unbedingt die Sahneseite ihrer Existenz. Eher das Gegenteil. Trafton und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Otten
Eines war schon vorab klar: Puccinis Tragedia giapponese soll anders erzählt, neu erklärt werden. Nur, wie kann das gehen? Die österreichische Schauspielerin und Regisseurin Angelika Zacek, eine gebürtige Wienerin, ausgebildet im Fach Regie an der Hochschule Ernst Busch in Berlin, hat am Anhaltischen Theater Dessau jetzt ihre zweite Operninszenierung abgeliefert....
Herr Zeppenfeld, Anfang Februar haben Sie an der Dresdner Semperoper die Titelpartie in Verdis «Attila» gesungen, es folgte der Graf Rodolfo in Bellinis «La sonnambula». Ist es eine Genugtuung, dass Sie endlich wieder im italienischen Fach besetzt werden?
Irgendwie schon. Das Fach wird ja deutschen Sängern normalerweise nicht zugetraut. Und es ist eine Self-fulfill...
Nichts Geringeres als die Frage nach dem Sinn des Lebens treibt den Komponisten Leoš Janáček in seinen beiden letzten Opern um: «Die Sache Makropulos», 1926 uraufgeführt in Brünn, ist eine groteske Parabel über die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit; seine Dostojewski-Vertonung «Aus einem Totenhaus», im Sterbejahr des Komponisten (1928) entstanden,...
