Waldeinsamkeit
Man benötige einen Wasserfall, vier Feuerräder, zwölf galoppierende Pferde, lebende Hirsche […] und […] eine unschuldige Verlobte …». Aber eben daran scheitere «jede Inszenierung», urteilte einst der große Humorist und Opernkenner Loriot über Schwierigkeiten der Realisation von Carl Maria von Webers «Freischütz». Gleichviel: Welcher Regisseur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten schon von den Vorgaben aus Friedrich Kinds Libretto leiten lassen? Eher verbreitet ist dann doch die Negation von Wald und romantischen Mythen, die dieser 201 Jahre alten Oper innewohnen.
Dass die (benachbarten) Theater in Basel und Freiburg nun beide mit ihr in die neue Saison gestartet sind, lässt die Frage nach dem Scheitern und einem latenten Unbehagen an diesem Stück neu aufflammen.
Sowohl Christoph Marthaler in Basel als auch Showcase Beat Le Mot in Freiburg bringen das in den jeweiligen Programmheft-Interviews zum Ausdruck. Wobei der Schweizer Regisseur deutlich zurückhaltender im Urteil ist, wenn er sagt, die Geschichte vom Probeschuss handle durchaus von etwas, «was es auf eine gewisse Weise heute noch gibt». Das vierköpfige Berliner Regiekollektiv dagegen spricht von «patriarchalischem, ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Alexander Dick
Francesco Sacrati? War da nicht etwas? Der frühbarocke Opernkomponist galt neben seinem Kollegen Benedetto Ferrari lange als heißer Kandidat für den Einschub des Duetts «Pur ti miro», mit dem sich am Ende von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» das amoralische Paar Poppea/Nerone in den siebten Liebeshimmel hineinsingt. Die Quellen sprechen für Ferrari. Hörer...
Dame Felicity Lott und der Pianist Sebastian Wybrew waren die Tutoren der Liedkurse, die die Académie Orsay-Royaumont im Winter 2021/22 in der ehemaligen Abtei Royaumont abhielt. Wie in den Jahren zuvor sind auch diesmal wieder Aufnahmen mit den vier prämierten Liedduos aus den beiden Schlusskonzerten beim kleinen, aber feinen französischen Label b-records...
Es ist wohl ein anderer Krieg, den Russland da führt, nicht dieser jetzt. Die Nachrichten von der fernen Front kommen aus dem Transistor, man muss sie durch das Rauschen dechiffrieren, auch die martialischen Ansagen dressierter Kindersoldaten an die Feinde des Vaterlands. Das von Pola Kardum in das Alltagsbunt der vielleicht 1970er-Jahre gekleidete Frauenvolk hält...
