Waldeinsamkeit
Man benötige einen Wasserfall, vier Feuerräder, zwölf galoppierende Pferde, lebende Hirsche […] und […] eine unschuldige Verlobte …». Aber eben daran scheitere «jede Inszenierung», urteilte einst der große Humorist und Opernkenner Loriot über Schwierigkeiten der Realisation von Carl Maria von Webers «Freischütz». Gleichviel: Welcher Regisseur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten schon von den Vorgaben aus Friedrich Kinds Libretto leiten lassen? Eher verbreitet ist dann doch die Negation von Wald und romantischen Mythen, die dieser 201 Jahre alten Oper innewohnen.
Dass die (benachbarten) Theater in Basel und Freiburg nun beide mit ihr in die neue Saison gestartet sind, lässt die Frage nach dem Scheitern und einem latenten Unbehagen an diesem Stück neu aufflammen.
Sowohl Christoph Marthaler in Basel als auch Showcase Beat Le Mot in Freiburg bringen das in den jeweiligen Programmheft-Interviews zum Ausdruck. Wobei der Schweizer Regisseur deutlich zurückhaltender im Urteil ist, wenn er sagt, die Geschichte vom Probeschuss handle durchaus von etwas, «was es auf eine gewisse Weise heute noch gibt». Das vierköpfige Berliner Regiekollektiv dagegen spricht von «patriarchalischem, ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Alexander Dick
Es ist wohl ein anderer Krieg, den Russland da führt, nicht dieser jetzt. Die Nachrichten von der fernen Front kommen aus dem Transistor, man muss sie durch das Rauschen dechiffrieren, auch die martialischen Ansagen dressierter Kindersoldaten an die Feinde des Vaterlands. Das von Pola Kardum in das Alltagsbunt der vielleicht 1970er-Jahre gekleidete Frauenvolk hält...
Hoch über dem Tal ragen die baumbewachsenen Sandsteinfelsen der Bastei in den Abendhimmel, unten überwuchert sattgrünes Moos das Gestein, und mittendrin: Theater. Vielleicht treffen nirgendwo in Deutschland Natur und Kunst so nahezu plakativ schön aufeinander wie in der Felsenbühne Rathen.
Angelegt in den 1920er-Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg Ort der...
Ist das überhaupt zum Aushalten? Werden sich die Menschen nicht danach umbringen?» So soll Gustav Mahler, die soeben vollendete Partitur seines «Lieds von der Erde» aufschlagend, nach dem Zeugnis Bruno Walters gefragt haben. Heute ist die Symphonie in Liedern mit ihrer unaufgelösten Polarität von Werden und Vergehen im Kanon angekommen. Rund zweihundert Aufnahmen...
