Wahlverwandt

Holger Falk und Steffen Schleiermacher feiern Erik Satie, Nicholas Isherwood sucht den Geist von John Cage

Opernwelt - Logo

Seine genial simplen Klavierstücke, zumal die «Gymnopédies» und «Gnossiennes», kennt alle Welt. Unzählige Aufnahmen dokumentieren die zeitlose Popularität dieser aus der Zeit gefallenen Fingerübungen. Weniger ist mehr und langsam schöner als schnell, hatte Erik Satie da, noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert, mit jeder Note gesagt. Der donnernd-virtuosen Tastenzauberei, die damals aus den Pariser Salons und Konzertsälen drang, mit koketter Dilettantenattitüde eine Nase gedreht.

Trotz aller Hoffnung auf Anerkennung durch den bürgerlichen Musikbetrieb – seine Welt war eher die des Cabarets und der Cafés. Erstaunlich, dass die in dieser Sphäre entstandenen Lieder bis heute ausgeblendet blieben.

Dabei steckt in den leisen Miniaturen ein ironischer Esprit, der sich auch mehr als ein Jahrhundert nach den Pariser (Alltags-)Geschichten, auf die sie anspielen, noch vermittelt. Mit dem Bariton Holger Falk und dem komponierenden Pianisten Steffen Schleiermacher haben sich nun zwei Künstler sämtlicher Mélodies und Chansons angenommen, die deren köstlichen Witz in allen Facetten ausspinnen, jede der 41 Nummern in eine charmante, luftige Kostbarkeit verwandeln. Eine tour sentimentale zwischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Wir arme Leut!

Schon in der ersten Szene fällt das Stichwort, das wie ein Leitmotiv immer wiederkehren soll: «Wir arme Leut!» Auch für Paul-Georg Dittrichs neue «Wozzeck»-Inszenierung (in Bremen die erste nach 45 Jahren) ist die Unvereinbarkeit von existenzieller Armut und Tugend das Thema, das es auf zeitlose Gültigkeit hin zu überprüfen gilt. Deshalb legt sich die...

Aus dem Leben eines Taugenichts

Es ist was Furchtbares passiert. Meine erste eigene Inszenierung hatte Premiere. Natürlich dachte ich, es läuft auf das Übliche hinaus, also ein Ergebnis im Bereich des Mittleren bis Mäßigen oder meinethalben Miesen. Dann könnte ich die Aktion als Abenteuer verbuchen und weitermachen wie bisher: an netten Häusern Randpartien mimen. Und schöne Summen kassieren...

Pause machen? Kann ich nicht

Einer Ihrer Kollegen sagte einmal, 79, 80, 81, das sei ihm eigentlich egal.
Mir nicht. Am liebsten wäre mir 39, meinetwegen 49.

Sie haben, so schilderten Sie es einmal, früher am Pult wilde Bewegungen vollführt. Wann legt man das ab?
Mein Wiener Lehrer Hans Swarowsky hat mich einmal bei der «Kleinen Nachtmusik» beobachtet und gefragt: «Was machen Sie eigentlich, wenn...