Pause machen? Kann ich nicht
Einer Ihrer Kollegen sagte einmal, 79, 80, 81, das sei ihm eigentlich egal.
Mir nicht. Am liebsten wäre mir 39, meinetwegen 49.
Sie haben, so schilderten Sie es einmal, früher am Pult wilde Bewegungen vollführt.
Wann legt man das ab?
Mein Wiener Lehrer Hans Swarowsky hat mich einmal bei der «Kleinen Nachtmusik» beobachtet und gefragt: «Was machen Sie eigentlich, wenn Sie ‹Tristan› dirigieren wollen?» Am Anfang meiner Karriere war ich dann schon eher diszipliniert in meinen Bewegungen – was ja nicht heißt, dass man nicht enthusiastisch sein darf. Irgendwann merkt man, dass man auch mit weniger Einsatz Kompliziertes beherrschen kann.
Sie übernahmen schon als junger Mann zwei Orchester als Chef, Montréal und Los Angeles. Hatten Sie nie Angst davor, das könnte zu früh sein?
Ein bisschen schon, weil ich ja noch gar nicht genug Repertoire mitbrachte. Die Arbeit mit diesen Orchestern lief parallel, jedes Programm war neu für mich. Aber schon damals gab es dort tolle Stimmführer, das hilft. Außerdem: Wenn man jung ist, hat man viel Chuzpe. Ich fühlte mich in meinen Interpretationen sicher – durch meine Ausbildung in Wien und durch das, was ich dort von den Stars hören durfte.
Sie wollten in ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Markus Thiel
Wand an Wand, direkter geht Konkurrenz nicht in der Royal Arcade mit ihrem weißen, viktorianischen Holzstuckwerk. Links, bei «Rino and Company», bekommt es der Herr für 15 Pfund gemacht, die Dame – Waschen, Schneiden, Legen – für 28,99. Kein Mensch da, die beiden Friseurinnen schauen gelangweilt durchs Schaufenster nach draußen. Vielleicht, weil beim Kollegen...
Nicht alles, was auf den ersten Blick glänzt, ist von bleibendem Wert. Und nicht alles, was zunächst trübe wirkt, bleibt dauerhaft im Schatten. Als die Deutsche Oper Berlin 2012 «Jenufa» herausbrachte, überwogen gemischte Gefühle (siehe OW 4/2012). Dirk Beckers aseptisch leerer Weißraum, in dem Christof Loy die Tragödie ganz aus dem inneren Drama der Küsterin...
Neben der Musikgeschichte der klingenden Tatsachen und ihrer Wirkungen gibt es auch eine «Möglichkeitsgeschichte» des zufällig oder aus innerer Logik nicht zustande Gekommenen. Was, um nur ein Beispiel anzuführen, wenn Wagner sich noch zu einer «Buddha»-Bühnenlegende entschlossen hätte, einer mildfarben westöstlichen Serenität jenseits des «Parsifal»? Vieles blieb...
