Wagner: Der fliegende Holländer
Man sieht es und staunt. Urd, Verdandi und Skuld, beharrlich und schweigsam am Seil der Welt webend. Nanu, denkt man, gehören nicht die drei Damen in ein anderes Stück des Mythen-Meisters? So ist es, doch Arila Siegert, die beim «Fliegenden Holländer» am Landestheater Neustrelitz Regie führte (im dunklen, behutsam symbolhaften Bühnenbild von Hans Dieter Schaal), sieht in den Nornen eine wesentliche Metapher für die frühe Oper. Das Schicksalhafte der auftretenden Personen, nicht nur der Titelfigur, möchte sie damit zum Ausdruck bringen. Eine plausible Idee.
Denn in der Tat sind, ausgenommen den kühl-berechnenden Geschäftsmann Daland (ein solider Bass: Peter Reich), sämtlich die Protagonisten mit dem seltsamen Lauf des (determinierten) Lebens verstrickt. Und so geschieht es auch in dieser handwerklich gekonnten Inszenierung: Das Ausweglose steht allen ins Gesicht geschrieben und ebenso in die Stimme. Nachgerade blutbefleckt und dabei katakombenumdüstert gibt sich der Bariton Michael Junges als Holländer; umso schriller klingt das Drama der Senta (Larysa Molnárova), die meist nur fassungslos auf der Bühne steht und gar nicht zu wissen scheint, wie ihr geschieht. Auch Paul McNamaras ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
An couleur locale wird in diesem «Cardillac» nicht gespart: Kaum eine Gelegenheit lässt die Produktion der Bastille-Oper aus, um daran zu erinnern, dass Paul Hindemiths 1926 uraufgeführte Krimi-Oper nach Hoffmanns «Fräulein von Scuderi» in Paris spielt. Immer wieder eröffnen sich Ausblicke auf den Eiffelturm, und die Ergreifung des mörderischen Goldschmieds im...
Die Paris-Episode der Cerha’schen «Lulu»-Komplettierung hielt Joachim Kaiser – wie er in seiner Uraufführungskritik 1979 formulierte – für eine «ziemlich überflüssige und unergiebige Unterbrechung» des Ganzen. Peter Grisebach nimmt in seiner Bremerhavener Produktion von Bergs nachgelassener Oper diesen Gedanken auf und streicht, neben einigen anderen Kürzungen,...
Gioacchino Rossini hat zwar kein eigenes Festspielhaus, aber international nicht weniger Kultstätten als Richard Wagner. Das hätten sich beide Komponisten nicht träumen lassen, als sie im März 1860 in Paris zusammentrafen. Die französische Metropole, die über vier Jahrzehnte seine Wahlheimat war, tut dem Italiener bis heute die meiste Ehre an, denn sie nimmt ihn...
