Wagner: Der fliegende Holländer
Man sieht es und staunt. Urd, Verdandi und Skuld, beharrlich und schweigsam am Seil der Welt webend. Nanu, denkt man, gehören nicht die drei Damen in ein anderes Stück des Mythen-Meisters? So ist es, doch Arila Siegert, die beim «Fliegenden Holländer» am Landestheater Neustrelitz Regie führte (im dunklen, behutsam symbolhaften Bühnenbild von Hans Dieter Schaal), sieht in den Nornen eine wesentliche Metapher für die frühe Oper. Das Schicksalhafte der auftretenden Personen, nicht nur der Titelfigur, möchte sie damit zum Ausdruck bringen. Eine plausible Idee.
Denn in der Tat sind, ausgenommen den kühl-berechnenden Geschäftsmann Daland (ein solider Bass: Peter Reich), sämtlich die Protagonisten mit dem seltsamen Lauf des (determinierten) Lebens verstrickt. Und so geschieht es auch in dieser handwerklich gekonnten Inszenierung: Das Ausweglose steht allen ins Gesicht geschrieben und ebenso in die Stimme. Nachgerade blutbefleckt und dabei katakombenumdüstert gibt sich der Bariton Michael Junges als Holländer; umso schriller klingt das Drama der Senta (Larysa Molnárova), die meist nur fassungslos auf der Bühne steht und gar nicht zu wissen scheint, wie ihr geschieht. Auch Paul McNamaras ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Kamin in der Villa Wahnfried, auf dem Sims ein Bild des alten Abbé Liszt, made by Hanfstaengl. Im Fauteuil davor ein smarter Herr im Freizeithemd, entspannt, doch konzentriert seinen Gesprächspartnern lauschend, auf den ersten Blick eher Technokrat denn Künstler. Es ist ein Foto anlässlich des berühmten «Spiegel»-Interviews aus dem Jahre 1967, in dem Pierre...
«Dieser Faust ist Gemeingut der Menschheit» – das sagte Nikolaus Lenau (1802-1850), um sich gegen das scheinbare «Faust»-Monopol Goethes zu wenden. So verfasste Lenau 1835 seinen eigenen «Faust», zwar in Knittelversen, aber in Handlungsverlauf und Sicht auf die Faust-Figur entscheidend von Goethe abweichend. Lenaus Faust trägt nihilistische Züge, sein Weltbild...
Von Beginn an ist die Tragödie unausweichlich. Die Doubles von Luisa und Rodolfo liegen bereits tot am Boden. Der schwarz gewandete Chor: eine Trauergemeinde an einem imaginären offenen Grab. Am Ende fast dasselbe Bild, nur dass jetzt die vergiftete junge Frau ihr nahes Ende antizipiert, sich selbst die Augen schließt und ihrem Double die Arme über der Brust...
