Wagner tut gut

Im Herbst 2007 meinte ein Kollege an der San Francisco Opera im Gespräch mit James Rutherford: «Du hast das Zeug, der Hans Sachs deiner Generation zu werden.» Damals hatte der Bariton aus dem englischen Norwich noch nicht einmal richtig in die ­Partitur der «Meistersinger von Nürnberg» geschaut. Im Sommer 2010 hat er die Partie – nach dem Debüt in Graz – mit Erfolg auf dem Grünen Hügel ­gesungen. Wie es dazu kam, warum James Rutherford um Wotan noch einen ­Bogen macht und was man von ihm in nächster Zeit sonst hören wird, erzählte er Gerhard Persché in einem Grazer Café.

 

Herr Rutherford, mit Ihren 38 Jahren dürften Sie der Jüngste sein, der Hans Sachs in Bayreuth gesungen hat, zumindest in den letzten Jahrzehnten.
In den allerletzten vielleicht, doch 1969 sang Norman Bailey dort den Sachs mit gerade sechsunddreißig. Es ist wahrscheinlich nicht die Partie, mit der man normalerweise eine größere Karriere beginnt, aber für mich scheint sie richtig. Natürlich wird sie mit mir wachsen, ich werde sie in meinen 40er und 50er Jahren anders singen als jetzt.



Ich habe die Wandlung des Sachs in Katharina Wagners Inszenierung nicht ganz verstanden: Erst kommt er quasi als Outsider, unkonventionell gekleidet und barfuß, in die Sitzung eines verknöcherten Professorenkollegiums – das Ganze spielt ja in einer Art Kunstakademie –, doch im dritten Akt wird er völlig reaktionär. Nur wegen der Prügelszene?
Ja, das ist der äußere Grund für seine Veränderung. Er sieht, wie alle völlig durchdrehen, und sagt sich, dass das nicht seine Sache ist. Ich denke mir, dass er vielleicht als junger Mensch eher konservativ war, aber mit zunehmendem Alter, vielleicht auch durch eine frühe Midlife-Crisis, hat er dann all diese traurigen, langweiligen Figuren um sich herum ...

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Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Interview, Seite 24
von Gerhard Persché

Vergriffen
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