Wachsfigurenkabinett
Ehebruch und Scheidung, ein verheirateter evangelischer Pastor und seine Gemeinde, ein en detail nachgestellter protestantischer Gottesdienst: Man könnte meinen, das sei mehr, als ein italienisches Opernpublikum um 1850 vertragen konnte, von der Zensur ganz zu schweigen. Tatsächlich wurde Verdis «Stiffelio» im damals österreichisch regierten Triest und Venedig nach einigen Änderungen ohne größere Opposition des örtlichen katholischen Klerus zur Aufführung gebracht – allerdings fand die Oper beim Publikum nur lauwarmen Anklang.
Unter den Namen «Guglielmo di Wellingrode» und «Aroldo» gingen später bereinigte Neufassungen über die Bühne, die nicht viel besser fuhren. Und so geriet Verdis Oper bald in Vergessenheit. Daran dürfte weniger die krause Handlung schuld sein – in dieser Hinsicht liegt «Il trovatore» vorn und war trotzdem viel erfolgreicher – als der relative Mangel an gassenhauerreifen Solonummern.
«Stiffelio» steht und fällt mit der Regie. Leider lieferte Johannes Weigand mit seiner blassen Inszenierung für La Fenice keine Offenbarung. In der Lagunenstadt war die Oper seit 1985 nicht mehr gespielt worden; damals entwarf der vielseitig begabte Giovanni Morelli eine gewagte, ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Carlo Vitali
Mut zu Raritäten, präsentiert in konservativer Ästhetik: So könnte man die Eckpfeiler des künstlerischen Konzepts von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera umreißen, der seit 2007 das Königliche Opernhaus in Lüttich leitet. Sein Spielplan bietet Renner wie «La traviata» und «Die Zauberflöte». Aber eben auch Seltenes aus der zweiten Reihe wie Verdis frühen...
JUBILARE
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Die Bühne bleibt schwarz, während die Polonaise zum dritten Akt erklingt. Barrie Kosky zeigt uns keinen Ball beim Fürsten Gremin. Das Schweigen der Bilder könnte ein Gleichnis sein für das Trauma, unter dem Jewgeni Onegin leidet, seit er seinen Freund Lenski im Duell getötet hat. Das Schweigen der Bilder könnte aber auch hier, an der Komischen Oper Berlin, Ausdruck...
