Kalkulierter Rausch
Scheibchenweise geht das bei den Tiroler Festspielen. Und den Überblick haben eigentlich alle verloren, die nicht regelmäßig im Saal des Innsbrucker Gerichts dabei sind. Eine der Entscheidungen in Sachen Gustav Kuhn sticht heraus: Sexuelle Übergriffe in Erl hat die Gleichbehandlungskommission inzwischen bestätigt, rechtliche Wirkung hat das (noch) nicht. In den letzten Wochen der alten Ära, die von Kuhns Ex-Adlatus Andreas Leisner als Interimsintendant betreut wird, ist ohnehin die Perestroika angebrochen. Die Regiesprache betrifft das, aber auch die Besetzungspolitik.
Eine «Aida» fast nur in Frauenhand – ein Schelm, wem da nicht eine Art Ablassversuch schwant.
Daniela Kerck (Regie, Bühne) denkt gar nicht daran, zwei Völker aufeinanderprallen zu lassen. Im kühlen Einheitsraum, der gern mit genau gezirkelten Stuhlreihen bestückt wird, erzählt sie vom Kampf zwischen den Geschlechtern. Von Vergewaltigung der Sklavinnen durch die Guerillatruppe um Ramfis, von der Engstirnigkeit und Kriegsbesoffenheit der Kerle, von einer Welt, aus der es für Aida und Radamès kein Entrinnen gibt. «Nicht ihr Frauen verfügt über euren Leib, sondern der Mann»: Mit projizierten Sprüchen wird dem hier ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Markus Thiel
WAGNERSPECTRUM
Heft 1/2019 (15. Jahrgang) – Schwerpunkt: Siegfried Wagner
Königshausen & Neumann, Würzburg 2019; 352 Seiten, 24 Euro
Zum 150. Geburtstag Siegfried Wagners gratulierte Bayreuth mit zwei Aufführungen seiner Oper «An allem ist Hütchen schuld» (im Markgräflichen Opernhaus) sowie mit der Uraufführung «Siegfried» von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel (in...
In Shakespeares «Henry V» heißt es: «The empty vessel makes the greatest sound» – ein leerer Topf tönt am lautesten. Natürlich darf man dabei an aktuelle politische Ereignisse denken; dass sich freilich immer wieder Mehrheiten finden, die Politclowns ernst nehmen und wählen, ist so erstaunlich wie unheimlich. Ob Satire helfen kann, den Pessimismus zu mindern? Wie...
Kein Zweifel, diese Dame ist von Zorn durchglüht. Außer sich. Erregt. Schon der Beginn der Szene zeigt sie in Rage, die Töne poltern nur so durch den imaginären Raum. Und dies nicht ohne Grund. Die Enttäuschung über eine tyrannische Liebe hält die Unglückselige gefangen, und nichts, aber auch gar nichts kann sie gegen die grausamen Erinnerungen ausrichten, die...
