Diskografisches Juwel

Die Stiftung Palazzetto Bru Zane und Jérémie Rhorer engagieren sich für Gaspare Spontinis «Olimpie»

Opernwelt - Logo

Der Bach-Biograf Philipp Spitta verglich Spontinis «Olimpie» mit Wagners «Ring». Und das erscheint als nicht zu hoch gegriffen, denn der Komponist treibt in diesem so monströsen wie düsteren Werk, seiner letzten französischen Tragédie-lyrique, den Monumentalstil des Klassizismus zu einer dramatischen Ausdrucksintensität, die weit in die Zukunft weist – die tragisch-erhabene Größe der Konzeption wurde erst wieder von Wagner und Berlioz erreicht.


Das antikisierende Intrigenstück über die blutrünstigen Diadochenkämpfe nach dem Tod Alexanders des Großen geht auf ein Schauspiel Voltaires zurück, hat allerdings mit der historischen Wirklichkeit wenig zu tun. Bei ihrer Pariser Uraufführung 1819 erlebte «Olimpie» einen spektakulären Durchfall und wurde bereits nach sieben Vorstellungen abgesetzt. Erst die eingreifende, 1821 für Berlin entstandene Überarbeitung führte zum Erfolg. In ihr ersetzte Spontini mit librettistischer Hilfe von E.T.A. Hoffmann das tragische Finale mit dem Doppelselbstmord von Statira und Olimpie durch ein lieto fine – Alexanders Witwe Statira wird wieder in ihre Rechte als Königin eingesetzt, ihre Tochter Olimpie heiratet Cassandre, der zuvor den Rivalen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 47
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Früchte des Zorns

Die Idee ist bezwingend charmant und poetisch. Ein «organisierter Traum» sollen die Salzburger Festspiele nach dem Willen ihres Intendanten Markus Hinterhäuser sein, und ebenso eine «Education sentimentale» aus dem Geiste Flauberts. Ein hoher Anspruch, der sich im Grunde nur dialektisch lösen lässt im Angesicht der in diesem Jahr programmierten Bühnenwerke. Vieles...

Zusammengeschustert?

Zoff bei Oberons. Der Elfenkönig liegt im Streit mit seinem Ehegespons Titania, es geht um die menschliche Treue. Diese rechtfertigen müssen daher der Ritter Hüon von Bordeaux und Rezia, die Tochter des Kalifen zu Bagdad, allerlei Wundersames und auch schwer Erträgliches durchstehen, ehe sie einander in die Arme fallen dürfen. So weit die Handlung von Webers...

Rein ins Werk

Was ist eine «immersive Musikperformance»? Im Grunde das, was jede Nacht im Techno- oder Club-Milieu abgeht: eine Verführung, sich körperlich in Schall und Licht zu verlieren. Kein Zufall also, dass die deutsch-französische Musiktheatercompagnie La Cage und das Ensemble Miroirs Étendus für ihr Projekt «I’d rather sink» eine Location wie das Berliner Berghain...