Heisser Flirt
Tiefer in die Archivkiste kann man kaum greifen: Innerhalb von fünf Wochen bringt die Komische Oper Emmerich Kálmáns allerletzte, 1954 posthum in Basel uraufgeführte Operette «Arizona Lady» heraus und gleich danach «Eine Frau, die weiß was sie will!», komponiert 1932 von Oscar Straus für Fritzi Massary. Beide Stücke sind wahrlich keine Meisterwerke – und doch verlässt man die Aufführungen verzückt. Weil sie mit grenzenloser Liebe zum Genre gemacht sind.
Einer Liebe, die nicht blind ist, die dramaturgische wie musikalische Schwächen erkennt und benennt, aber eben taktvoll und mit zarter Ironie. So treten Dagmar Manzel und Max Hopp in der Straus’schen Musikkomödie immer mal wieder aus ihren Rollen heraus, um die boulevardtypische Handlung zu kommentieren, in der es um eine Operettendiva geht, die zufällig mit demselben Herren anbandelt wie ihre Tochter. Dass die beiden Darsteller in der von Intendant Barrie Kosky für die Vorderbühne eingerichteten 90-Minuten-Fassung zudem alle 30 Rollen übernehmen, also in einem fort türenklappend vom Mann zur Frau mutieren, vom Bonvivant zum Backfisch und sogar vom Star zum Stichwortgeber, dreht die Story endgültig ins Aberwitzige.
Da werden die von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Frederik Hanssen
Iphigénie ist von Alpträumen gepeinigt: Die berühmte Gewitterszene am Beginn von Glucks Oper ist nicht zuletzt Allegorie für die Last ihrer blutigen Familiengeschichte. In Lukas Hemlebs Deutung zeigt der Frauenchor, der Iphigénies Auftritt im Wüten der Elemente begleitet, eine irritierende Nähe zu Erinnyen: Alle Choristinnen sind schwarz gewandet, ihre Gesichter...
Zwischen den Laken tummeln sich die Marschallin und ihr junger Geliebter Octavian. Unterm Nachthimmel, im Liebesglück. Dann bricht die Außenwelt in ihre Zweisamkeit ein, fliegen Wände und Decke eines prachtvollen Salons heran. Die Vision der freien Liebe ist vorbei, die beiden erwachen im goldenen Käfig.
Mathis Neidhardts Bühnenbild ist das zentrale Element in...
Eine vollkommen widersinnige Sache sei dies, hat Nikolaus Harnoncourt einmal ironisch gezürnt. Dass sich der Flughafen mit dem Zusatz «W. A. Mozart» schmücke, sei Salzburg, das seinen größten Sohn per Fußtritt aus der Stadt beförderte, nun wirklich nicht erlaubt. Immerhin: Es gibt noch andere Imageträger, und die können schmerzhaft zurücktreten. Ob die Schwemme am...
