Vor den Augen eines Wolfes
In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen Ereignisse – die Handlung spielt zur Zeit Iwans des Schrecklichen und seiner berüchtigten Geheimpolizei, der Opritschnina – sind allerdings nur der Vorwand für ein Intrigen- und Eifersuchtsdrama mit tödlichem Ausgang.
Kay Kuntze, der Künstlerische Leiter der Berliner Kammeroper, hat darum zu Recht in seiner Osnabrücker Inszenierung die Brücke über die Zeiten geschlagen. Martin Fischers variabler Bühnenraum zitiert mit der farbenbunten Ikonenwand die russische Vergangenheit, versetzt das Ganze im Übrigen aber ins heutige Russland: Die schwarzgewandete Schlägertruppe, der auch Grjasnoi angehört, trägt, wie die historische Opritschnina, Wolfsköpfe auf ihren schwarzen Ledermänteln. Und stechende Wolfsaugen schließen die Bühne nach oben ab – Symbol des in der Oper selbst nicht agierenden, aber als dräuendes Prinzip der ...
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Im Musiktheater steht der Mythos von Orpheus und Eurydike derzeit wieder hoch im Kurs: In einer Gesellschaft, in der jede dritte Ehe geschieden wird, inspiriert die Trennung von Mann und Frau auch Komponisten. Und das umso mehr, als die bisherigen Orpheus-Opern durchaus noch Platz für neue Gewichtungen lassen: Interessierten sich Monteverdi und Gluck noch...
Wenn man von Vilnius kommt, erhebt sich die mittelalterliche Wasserburg Trakai mit ihren Dornröschen-Türmen wie im Märchen aus dem sanft umwaldeten Galve-See. Hier könnte sich der Prolog von Amilcare Ponchiellis Historienoper «I Lituani – Die Litauer» (1874) zugetragen haben. Die drei folgenden Akte spielen 500 Kilometer westlich auf der Marienburg bei Danzig....
Bereits im Vorfeld hatte die Münchner «Aida»-Produktion Wellen geschlagen, als Barbara Frittoli die Titelrolle zurückgab – als Grund gab sie an, Probleme mit dem Stil von Neuinszenierungen in Deutschland zu haben. Sie hätte unbesorgt sein können. Christof Nel hat die am Machtkartell von Staat und Kirche zerbrechende Liebe zwischen der äthiopischen Kriegsgefangenen...
