Vor den Augen eines Wolfes

Rimsky-Korsakow: Die Zarenbraut in Osnabrück

Opernwelt - Logo

In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen Ereignisse – die Handlung spielt zur Zeit Iwans des Schrecklichen und seiner berüchtigten Geheimpolizei, der Opritschnina – sind allerdings nur der Vorwand für ein Intrigen- und Eifersuchtsdrama mit tödlichem Ausgang.

Kay Kuntze, der Künstlerische Leiter der Berliner Kammeroper, hat darum zu Recht in seiner Osnabrücker Inszenierung die Brücke über die Zeiten geschlagen. Martin Fischers variabler Bühnenraum zitiert mit der farbenbunten Ikonenwand die russische Vergangenheit, versetzt das Ganze im Übrigen aber ins heutige Russland: Die schwarzgewandete Schlägertruppe, der auch Grjasnoi angehört, trägt, wie die historische Opritschnina, Wolfsköpfe auf ihren schwarzen Ledermänteln. Und stechende Wolfsaugen schließen die Bühne nach oben ab – Symbol des in der Oper selbst nicht agierenden, aber als dräuendes Prinzip der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
«The very best of Glyndebourne»?

Eine Komplilation mit vielen alten Bekannten. EMI hat aus den Katalogen ein paar Höhepunkte zusammengesucht, Mittelmaß ist auch dabei. Vor allem fragt man sich, nach welchen Prinzipien die Nummern aus einzelnen Opern ausgewählt wurden.
Natürlich steht Fritz Busch am Anfang. Von seinen frühen (1934/35) und späteren Aufnahmen (1950/51) gibt es repräsentative Auszüge....

Spiel der Herzen

Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte...

Flucht nach vorn

Wohl kaum eine Figur der Operngeschichte erlebt so eine niederschmetternde Ausweglosigkeit wie Wozzeck. Wie zeigt man das auf der Bühne? Matthias Oldag, Generalintendant der Theater & Philharmonie Thüringen, und sein Bühnenbildner Thomas Gruber haben sich in Gera für eine simple, aber doch wirkungsvolle Lösung entschieden. Ein Raum, begrenzt von zwei Wänden, einer...