Von frivol bis Fußball
Plüschwerk für harmoniebedürfige Abonnenten? Bequeme Polsterware für kassenbewusste Spielplangestalter? Dieses Image hat die Operette abgestreift. Fast überall vorbei die Zeit der Saubermann-Bearbeitungen aus den Wirtschaftswunderjahren. Her mit dem damals unterschlagenen dreckigen Ton, dem frechen Orchesterklang, dem scharfen Witz! «Rekonstruktion» lautet heute das Zauberwort.
Dem Originalsound auf die Spur zu kommen, ist allerdings gar nicht so leicht: Komponisten wie Paul Abraham legten ihre Partituren offen an, ließen Raum für Anpassung an lokale Gegebenheiten, abendliche Launen und instrumentale Moden. Über Noten und Libretti, Dokumente, Film- und Tonaufnahmen aus der Entstehungszeit nähern sich Theatermacher, Forscher und Editoren wieder der «Urgestalt» der Werke. Ein Zwischenbericht
Henning Hagedorn ist schwer bepackt. Die Partitur unter seinem Arm ist ein sattes, provisorisch gebundenes Notenkonvolut, auf dem der wohlbekannte Titel «Die Blume von Hawaii» prangt. Paul Abraham hat das Stück auf Texte seines bewährten Librettisten-Teams Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda im Juli 1931 in Leipzig auf die Bühne gebracht; es war nach «Viktoria und ihr Husar» der zweite ...
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Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Operette, Seite 90
von Michael Struck-Schloen
Verschiedener könnten sie kaum sein. Ruhig, zurückhaltend, geradezu wortkarg der eine. Wenn er spricht, dann meist in elliptischen Sätzen, die Fährten legen ins Freie. Hinaus ins Land, wo Fantasie und Spiel blühn. In einen Kosmos, der seit bald 50 Jahren sein Zuhause ist. Weil er ihn jeden Tag überrascht, inspiriert, in Bewegung hält. Vital, mitteilsam, geradezu...
Niccolò Jommelli (1714-1774) «mischte italienische und französische Elemente nicht mehr oder weniger, sondern anders als Gluck und Traetta – nur dass Gluck besser auf der Klaviatur der Medien spielte und sich gezielter international vermarketete» (OW 4/2015). Zu Jommellis 200. Geburtstag setzten Jossi Wieler und Sergio Morabito an der Oper Stuttgart «Berenike,...
Wenige haben den Diskurs über Oper und Musiktheater heute während der letzten drei Jahrzehnte stärker geprägt als er. Mit Adorno, Heidegger und Derrida im Hinterkopf, begriff Klaus Zehelein künstlerisches Handeln stets als reflektierte Auseinandersetzung mit der Gegenwart des Vergangenen und der Geschichtlichkeit des Gegenwärtigen. Angefangen hat er als junger...
