Von damals auf heute
Sagen wir es rundheraus: In diesem Jahr strahlen die Hauptveranstaltungen des Festivals keinen Glanz aus, weder von innen noch von außen. Das Gedenkkonzert «Hændel», bestehend aus Arien und Chören des Barockmeisters, zeigte zwar die Schönheit und Eleganz seiner Musik, nicht aber die Tiefe der Affekte oder sogar die Unendlichkeit des Leidens. Teodor Currentzis führte die jungen Solistinnen und den musicAeterna-Chor sicher durch die Kaskaden an Koloraturen und diversen Höhen-Ekstasen, doch er erschütterte das Publikum nicht durch die Wucht eines tieferen Empfindens.
Camille Saint-Saëns «Samson und Dalila» geriet unter der musikalischen Leitung von Wladimir Tkatschenko eher zu einem Oratorium als zu einer Oper – abgesehen davon, dass Boris Rudak den tragischen Monolog des Helden im dritten Akt wahrhaft glanzvoll sang. Eine große Enttäuschung war die Premiere von Brecht/Weills «Dreigroschenoper»: Regisseurin Nina Worobjowa trennte Gesang und Schauspiel, die Darstellerinnen und Darsteller agierten plump bis albern, und Dirigent Ilja Gaissin zeigte nicht einmal ein minimales Verständnis für die stilistischen Besonderheiten der Partitur. Umso beeindruckender war das Niveau bei den ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Alexej Parin
Woll- oder Leinenfäden werden an diesen Arbeitsplätzen nicht mehr versponnen. Dafür gibt es Kabel: Die quellen über Schreibtische, während die beiden Damen auf ihren Tastaturen hämmern, um immer neue Avatare zu erzeugen: Webkunst 2.0. Wir sind über Ovids Antike schließlich hinaus. Dazu wird gesungen, hanebüchen Schweres von Antonio Vivaldi. Ein Showdown, hier...
Drei Schwestern: Undine, Rusalka, Melusine. Sämtlich entstammen sie der Märchenwelt und gelangen, um ihr Glück zu finden, zu den Menschen; sämtlich scheitern sie an dem, was Menschsein ausmacht. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen von der Liebe, vom Leben und davon, was Natur bedeutet. Das erkannte auch Yvan Goll, als er Anfang der 1920er-Jahre den...
Mit gutem Willen ließe sich sagen: Es war alles so beabsichtigt. Hier der Sänger des Titelhelden, der sich im sehr lyrischen Bereich bewegt und im Angriffsmodus das Florett bevorzugt. Dort der Regisseur mit dem Willen, dem Stück die Machismen auszutreiben. Don Giovanni ist eine Frau – zumindest zeitweise – und dann wieder von ihr besessen. David Hermann hat seinen...
