Vorübung auf die Ewigkeit
... und wenn sie nicht gestorben sind. Das ist das lieto fine vieler Märchen. Am Ende des neuen «Ring» an der Hamburgischen Staatsoper ist Siegfried nicht gestorben. Nach dem Weltbrand steht er mit rücklings blutbeflecktem Hemd am Fenster und blickt versonnen – wohin? Er rührt sich nicht, wenn ihm Brünnhilde, die sich zuvor mit seinem Schwert die Pulsadern geöffnet hat, die Arme ausstreckt und zusammenbricht.
Wer ist er? Ein Mann, der, so Simone Young im Programmheft, nicht lieben konnte? Dieser Held braucht keinen Vergessenstrank, um schon beim ersten Blick auf die optisch einem Damenmagazin entstiegene Gutrune einen anderen Signaltyp zu finden.
Held? Bei Claus Guth verkörpert Siegfried nicht den «neuen Menschen», sondern ein Feindbild von Männlichkeit. Er bewegt sich als alberner Rüpel und tumber Tor in khakifarbenen Kurzhosen und mit Punk-Frisur durch die Szene. Seine Depotenzierung gerät in die Nähe unfreiwilliger Komik, wenn er als Gunther auf den Brünnhilden-Felsen, der hier zur Wohnküche mutiert, zurückkehrt und den Tarnhelm lupft, um sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu greifen. Die Masche der Rebellion gegen Fantasieräume der Handlung durch scheinbare Versachlichung – ...
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