Vom Drama entblößt
Das innere Glück war nicht unbedingt Untermieter in Beethovens Psyche; auch sein Liedwerk bestätigt, dass in seiner Musik häufig Dämonen umgehen. So bergen schon seine frühen Lieder manch Ungemach. Die Texte – vor allem von Goethe – wählte er wohl daraufhin aus; oft ist die Rede von Liebesklage, kaum zu erfüllender Sehnsucht, vom Tod.
Abgesehen von solch emotioneller Dramaturgie bietet das zur Diskussion stehende Recital aber auch pragmatisch interessante Vergleiche verschiedener Fassungen.
Das bekannteste der hier acht aufgenommenen Lieder ist fraglos «In questa tomba oscura», dessen zweite Version (WoO 133) der Bass Ricardo Bojórquez mit etwas mulmigem Ton singt. Es ist übrigens das einzige ihm anvertraute Lied; die weiteren 25 teilen sich die Sopranistin Elisabeth Breuer, der Tenor Rainer Trost und Paul Armin Edelmann (Bariton), wobei die beiden Letzteren die Palme davontragen. Edelmann lässt über der Beethoven’schen Version des notorischen «Erlkönig» den Theatervorhang aufgehen, bietet auf der Hörbühne ein stimmdramatisches Spektakel bei hervorragender Diktion und Enunziation. Und die drei angebotenen Versionen von «An die Geliebte» stuft er äußerst subtil ab, während er ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Gerhard Persché
Die Lieder Ludwig van Beethovens, immerhin knapp 90, haben in seinem Œuvre nicht den gleichen Stellenwert wie die Symphonien, die Sonaten oder die Streichquartette. Viele von ihnen sind Juvenilia, nur wenige zentral für seine Musiksprache. Nach Dietrich Fischer-Dieskau, Hermann Prey, Nicolai Gedda und Peter Schreier haben sich nur wenige Sänger für sie eingesetzt...
Er hat sich am Kopfe der Treppe aufgebaut. Herrisch schwillt die nackte Brust, schwingt die hüftlange Mähne. Don Giovanni reckt die Hüfte vor, sichtlich stolz auf den Inhalt seiner buntbedruckten Hose. Dann tritt er ab, gefolgt von reihenweise reizschwarzgekleideten Pornohäschen und Stricherboys.
So charakterisiert in Helsinki Jussi Nikkilä den Titelschurken...
Der Dirigent Carlo Maria Giulini beklagte einmal, dass im «Mutterland der Musik» diese traditionell weitgehend identisch mit Oper («melodramma») sei, Sinfonik, Kammermusik hingegen weniger gälten. Die beiden wichtigsten Komponisten der Nachkriegszeit, Luigi Nono und Luciano Berio, gingen ebenfalls auf Distanz zur Singbühne, aber auch zu den etablierten «absoluten»...
