Vollständig
Wie aus einem Roman von Fritz von Herzmanovsky-Orlando wirkt die Spekulation, Alban Berg könnte illegitimer Schwiegersohn des legendären Kaisers Franz Joseph gewesen sein. Dass seine Ehefrau Helene die uneheliche Tochter des auch in erotischer Hinsicht betriebsamen Monarchen war, schien im Wien des angehenden 20. Jahrhunderts mehr als ein bloßes Gerücht. Auf jeden Fall gerierte sie sich zeitlebens als Schatzkanzlerin – und zwar des Œuvres ihres genialischen Gatten.
Bis zu ihrem Tod 1976 verfolgte Helene Berg ihre erinnerungskulturellen Strategien.
So ließ sie es beispielsweise kaum zu, dass die Musikwissenschaft sich an Bereiche heranmachte, die der Komponist selbst zu verdrängen suchte – etwa sein frühes Liedschaffen, das unveröffentlicht und ohne Opuszahlen lange im Schattenland der Musikgeschichte vor sich hin dümpelte.
Als Berg 1904 als Schüler zu Arnold Schönberg kam, hatte er autodidaktisch bereits mehr als ein Drittel seines um die 90 Kompositionen umfassenden Lied-Œuvres verfasst. Diese frühen Lieder schildern Bergs stilistische Reise, künden zunächst von der blühend romantischen Seele des jungen Komponisten, seiner Verbeugung vor Schubert und Schumann, führen dann zu ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
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