Vive la fatalité!
Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir, Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz das Gebaren der Mächtigen als lächerliche Wichtigtuerei entlarvte, Moralisierer mit frivolem Raffinement entwaffnete und selbst noch im bizarrsten Bühnentumult wunderbare Inseln der Innigkeit zu schaffen wusste.
Es musste erst mal wieder ein «runder Geburtstag» her, damit man sich daran erinnert, dass Jacques Offenbach mehr als Barcarole, Cancan und den Spielplan-Dauerbrenner «Les contes d’Hoffmann» komponiert hat. Seine Geburtstadt Köln fühlt sich jetzt besonders herausgefordert, mit einem aufwendigen Neujahrskonzert des Gürzenich-Orchesters hat sie ein veritables Offenbach-Jahr eröffnet. Für dessen Abwicklung war sogar eigens eine Offenbach-Gesellschaft gegründet worden. Um den 200. Geburtstag am 20. Juni wird dann, man glaubt es kaum, auch die ewige Baustelle des Kölner Opernhauses am Offenbach-Platz bespielt – mit ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Josef Oehrlein
Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt. Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König...
Zwei Tage noch bis zum heiligen Fest, und was macht der Himmel über Chemnitz? Er weint: dickkugelige Tränen. Kein Wunder, dass die Trottoirs verwaist sind; nur einige Versprengte eilen mit glühweingeröteten Wangen vorüber. Auch auf dem Theaterplatz ist jetzt, um zehn Uhr abends, keiner mehr, mit dem man man reden könnte. Ringsherum nur dickes Gemäuer, wie in...
«Wozu darüber reden? Jeder weiß doch Bescheid. Alle wissen, dass es absurd ist», sagt der Schauspieler Philipp Avdeev, auf die Zurückhaltung angesprochen, die sich die Mitarbeiter des Moskauer Gogol-Zentrums auferlegt haben, wenn es um das Prozessverfahren geht, das ihren Künstlerischen Leiter seit August 2017 mit Hausarrest sanktioniert. Und er fährt fort: «Als...
