Virtuell und virtuos
Die Hürde jeder «Tannhäuser»-Aufführung steht am Anfang. Für den Venusberg hat Wagner zunächst eine brave Version geschrieben, die sich ganz an den Dialog hält: Der sinnessatte Minnesänger versucht zu Rezitativischem und einem erweiterten Weber-Orchester von der Göttin der Liebe loszukommen. Später, für Paris, komponierte Wagner an dieser Stelle viel Musik dazu, diente sich der Grand Opéra (ohne die «Tannhäuser» ohnehin undenkbar wäre) eng an und versuchte so anrüchig zu tönen wie möglich. Schwüle Lüsternheit ist jetzt Trumpf.
Das Ballett hat seinen großen Auftritt, Chromatik und Todessehnsucht des «Tristan» werfen ihre Schatten. Weil das niemand im Sinne eines Beate-Uhse-Ladens sehen oder inszenieren will, Nacktheit auf der Bühne meist unerotisch wirkt und Grenzen der Lust heute anders überschritten werden als in Pariser Bordellen des 19. Jahrhunderts, fällt die Szene meist weg. Man spielt die karge, frühe, risikofreie Dresdner Fassung. In den beiden jüngsten «Tannhäuser»-Premieren ist das anders. Der Venusberg wird in voller Länge gegeben. Mehr: Er ist der jeweilige Höhepunkt des Abends, entwickelt szenische Koordinaten, bleibt Bezugspunkt und optische Klammer. Wie das?
An der ...
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Zu einer deutschen Erstaufführung hatte es diesmal nicht gereicht, da war Frankfurt den Lübeckern zuvorgekommen, aber immerhin zu einer norddeutschen. Und zu dem Beweis, dass sich die 2005 in London uraufgeführte und seither nur an großen Bühnen erprobte Shakespeare-Adaption «The Tempest» von Thomas Adès durchaus auch als Repertoirestück für kleinere Häuser eignet....
Flüchten und ankommen. In dieser Spannung ist wohl auch der «Olympier» Richard Strauss zu sehen, dessen – von seinen literarischen Mitarbeitern wie Hugo von Hofmannsthal oder Joseph Gregor heftig geförderte – Griechenland-Manie vielfältig motiviert gewesen sein muss. Als Jugenderlebnis ausschlaggebend sicherlich Nietzsches flammende Altphilologie, dabei aber auch...
Darauf muss man erst mal kommen. Juno, die große Abwesende, die Unsichtbare, mischt von Anfang an mit. Normalerweise regt sich die hohe Dame erst im letzten Aufzug coram publico über die erotischen Eskapaden ihres Göttergatten Jupiter auf. Bis dahin schmollt sie stumm im Off – so steht’s im «Platée»-Textbuch von Adrien-Joseph Le Valois d’Orville und in den Noten...
