Virtuell und virtuos
Die Hürde jeder «Tannhäuser»-Aufführung steht am Anfang. Für den Venusberg hat Wagner zunächst eine brave Version geschrieben, die sich ganz an den Dialog hält: Der sinnessatte Minnesänger versucht zu Rezitativischem und einem erweiterten Weber-Orchester von der Göttin der Liebe loszukommen. Später, für Paris, komponierte Wagner an dieser Stelle viel Musik dazu, diente sich der Grand Opéra (ohne die «Tannhäuser» ohnehin undenkbar wäre) eng an und versuchte so anrüchig zu tönen wie möglich. Schwüle Lüsternheit ist jetzt Trumpf.
Das Ballett hat seinen großen Auftritt, Chromatik und Todessehnsucht des «Tristan» werfen ihre Schatten. Weil das niemand im Sinne eines Beate-Uhse-Ladens sehen oder inszenieren will, Nacktheit auf der Bühne meist unerotisch wirkt und Grenzen der Lust heute anders überschritten werden als in Pariser Bordellen des 19. Jahrhunderts, fällt die Szene meist weg. Man spielt die karge, frühe, risikofreie Dresdner Fassung. In den beiden jüngsten «Tannhäuser»-Premieren ist das anders. Der Venusberg wird in voller Länge gegeben. Mehr: Er ist der jeweilige Höhepunkt des Abends, entwickelt szenische Koordinaten, bleibt Bezugspunkt und optische Klammer. Wie das?
An der ...
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Das kann man wohl sagen. Als ich zur Schule...
