Viel Dampf um nichts
Eine Oper über Karl Marx? Er sei, so Jonathan Dove im Programmheft, augenblicklich fasziniert gewesen, als ihm der Regisseur Jürgen R. Weber ein solches Projekt vorgestellt habe. Flugs steckten beide die Köpfe zusammen und zogen den Librettisten Charles Hart hinzu, um es in die Tat umzusetzen. Eines war den beteiligten Herren klar: Es wäre vermessen, Vita und Werk dieses revolutionären Denkers in Töne kleiden zu wollen. Etwas Leichtes, Lockeres sollte es sein, eine Komödie in Klängen und Bildern.
Das Ergebnis ist nun an der Oper Bonn zu besichtigen: «Marx in London» heißt das zweistündige Opus. Inszeniert hat es der Ideengeber selbst.
Der dramaturgische Kniff liegt in der Konzentration: Geschildert wird ein Tag im Leben des Karl Marx, genauer: der 14. August 1871. Marx lebt mit seiner Familie in London und steckt inmitten eines Scherbenhaufens. Der Haushalt wird der massiven Schulden wegen gepfändet, Ehefrau Jenny ist außer sich vor Wut, Helene, Mutter des gemeinsam mit Karl gezeugten Sohnes Freddy, schlägt den politischen Schriftsteller im Schach, will aber gerade jetzt nicht von ihm verführt werden, Tochter Eleanor (Spitzname Tussy) glaubt, einen Spion auf der Straße entdeckt ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Jürgen Otten
Ganz schnell kann so etwas gehen, innerhalb einer Woche. Einmal «La Bohème», einmal «La sonnambula», eine Rossini-Farce, das Neujahrskonzert, und Termin für Termin, salamitaktisch, wird die Erinnerung an Gustav Kuhns musikalisches Wirken gelöscht. Verantwortlich dafür: Paolo Carignani, Friedrich Haider, Oksana Lyniv und Patrick Hahn. Und eine Übergangsregierung...
Diese Leichtigkeit. Sie war eine Gabe, ein Geschenk. Und eine Haltung, die seinen Blick auf die Welt zeitlebens prägte. Hans-Klaus Jungheinrich war ein unstillbar neugieriger, unbestechlicher, blitzgescheiter Beobachter, der in beneidenswert flüssiger Anschaulichkeit beschrieb, was er sah, hörte, erlebte. Auch wenn die Musik das Gravitationszentrum seiner...
Hans Gál (1890-1987) gehört zu den vielen, von den Nazis vertriebenen Künstlern, denen es nicht gelang, nach 1945 wieder im Musikbetrieb Fuß zu fassen. Der stilkonservative Spätromantiker, der wie Walter Braunfels und Erich Wolfgang Korngold an der erweiterten Tonalität festhielt, entsprach nicht mehr den Erwartungen der Zeit. Inzwischen liegt ein Großteil seines...
