Flucht nach vorn
Ganz schnell kann so etwas gehen, innerhalb einer Woche. Einmal «La Bohème», einmal «La sonnambula», eine Rossini-Farce, das Neujahrskonzert, und Termin für Termin, salamitaktisch, wird die Erinnerung an Gustav Kuhns musikalisches Wirken gelöscht. Verantwortlich dafür: Paolo Carignani, Friedrich Haider, Oksana Lyniv und Patrick Hahn. Und eine Übergangsregierung nach dem Zwangsabgang des unbelehrbaren Alten – Andreas Leisner, früher Kuhns rechte Hand, führt gerade als Interimsintendant die Tiroler Festspiele in eine neue Zeit.
Beim Winter-Durchgang musste Leisner für Kuhn, der nach #MeToo-Vorwürfen und mutmaßlichen Finanztricks zurücktrat, «nur» Ersatzdirigenten finden. Der Sommer 2019 trägt allein Leisners Handschrift, unter anderem mit «Aida» und Walter Braunfels’ «Die Vögel», dirigiert von Lothar Zagrosek, inszeniert von Tina Lanik. Ab September kommt der Frankfurter Intendant Bernd Loebe. Der hat sich in seinem Nebenjob Marcus Küchle, bislang in der Direktion der Cincinnati Opera, als Tiroler Statthalter ausgesucht. Leisner muss also weg.
Sehr realistisch und grollfrei sieht der das. Ob sich die Festspiele zu stark auf Kuhn konzentriert haben? Leisner bejaht. «Aber das hat ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Markus Thiel
Herr Hasselhorn, mussten Sie bei der Aufnahme Ihrer «Dichterlieben» manchmal aufpassen, in welcher Vertonung Sie sich gerade befinden?
Man muss sich als Sänger bewusst machen, dass zwei verschiedene Vertonungen desselben Textes in ganz verschiedene Ausdrucksbereiche vorstoßen können. Zum Beispiel fordern dieselben Wörter manchmal andere Färbungen. Aber auch der...
Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche...
Und dann ist da plötzlich dieses irre Bild. Eine Hochhausfront, hässlich und glatt, die Fassade mausgrau, wie ungewaschene Wäsche; davor ein von Maschendrahtzaun gesäumter Menschenkäfig zur Rechten sowie ein versiffter Treppenaufgang zur Linken. Mittendrin die Protagonisten der Vergeblichkeit, die – eine optische Täuschung macht’ s möglich – größer scheinen als...
