Verwischte Ebenen

Little: JFK
Augsburg | Staatstheater | Martini-Park

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Schon die Antike wusste es: «Wen die Götter lieben, der stirbt jung.» Sprich, wer auf dem Höhepunkt seines Ruhms stirbt, hat bessere Chancen, selbst in den Kreis der Götter und Heroen aufgenommen zu werden. Das gilt unter massenmedialen Bedingungen auch für den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, der nicht zuletzt aufgrund seiner Ermordung am 22. November 1963 zur Ikone des zeitlos lächelnden Hoffnungsträgers werden konnte.

Vor drei Jahren widmete ihm die Oper im texanischen Fort Worth, wo Kennedy die letzte Nacht seines Lebens verbrachte, ein Werk, das auf Antikes zurückgreift und zugleich die popmediale Überhöhung fortschreibt, wie sie etwa John Adams in «Nixon in China» Richard Nixon zuteil werden ließ. In «JKF» von David T. Little, das nun in Augsburg zur europäischen Erstaufführung gelangte, begleiten zwei der drei (den Lebensfaden zumessenden) Parzen die letzten Stunden in Kennedys Hotelzimmer – die dritte wartet schon am Todesort Dallas.

Rahmende Chöre, aufgestockt um emotionalisierende Kinderstimmen, beklagen die menschliche Sterblichkeit, während die Handlung schicksalhaft Kurs auf das Attentat nimmt, das selbst nicht gezeigt wird, weil der Mythos wie in der ...

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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Michael Stallknecht

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