Verträumt
Ach, wer bringt die schönen Tage wieder? Vor Elsas Fenster liegt ödes Land: abgegraste Stoppelfelder, düster, kahl und kalt wie die Menschen, die hier leben. Goldfunkelnd leuchtet das Gralsmotiv aus dem Graben, Elsa kauert auf dem Bett, an der Zimmerwand erinnert ein Jagdhorn an den verschollenen Bruder.
In der Dortmunder Inszenierung von Ingo Kerkhof scheint der Schwanenritter nur ein Hirngespinst zu sein. Elsa träumt ihn herbei, um der unheilvollen Realität zu entfliehen; Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmen.
Die Außenwelt dringt in die Mädchenkammer ein, in Person des abgebrühten Machokönigs Friedrich von Telramund und der Klägerin Ortrud. Elsa schwärmt von ihrem Retter, die anderen lachen hämisch, zucken mit den Achseln, rauchen Zigaretten. Unsichtbar, vom Balkon herab, besingt der Opernchor die Ankunft Lohengrins. Auf der Bühne jedoch geschieht zunächst: nichts. Dann erscheint er doch, schleicht aus dem Dunkel nach vorne, im strahlend weißen Hemd, unbeachtet von allen.
Dass unklar bleibt, ob alle Handlung nur in Elsas Kopf geschieht, verursacht jedoch dramaturgische Schwierigkeiten. Wenn der Konflikt zwischen Lohengrin und Telramund ein Symbol darstellt ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Thilo Braun
Orlando revisited
Virgina Woolfs «Orlando»-Roman gehört zu den Schlüsseltexten im geistigen Kosmos der der Komponistin Olga Neuwirth. Ihr gleichnamiges Musiktheater auf den Stoff hat sie im Auftrag der Wiener Staatsoper geschrieben. Dirigent der Uraufführungsproduktion ist Matthias Pintscher (auf dem Foto beim Studium der Partitur)
Zurück in die Zukunft
Jacques...
Auf einen solchen Titel muss man erst mal kommen: «Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt». Er charakterisiert nicht nur die Fantasie und Freude, mit der MARTIN GECK seine «Kleine Geschichte der Musik» (2006) geschrieben hat, ein blitzgescheites, wunderbar subjektives, auf 200 Seiten verdichtetes Kompendium «von der Urgesellschaft bis zum Hip-Hop», sondern...
Die heilige Jungfrau schweigt. Überlebensgroß, wie ein Mahnmal, thront sie als festlich gekleidete Puppe in der Mitte des leeren weißen, von Bernd Purkrabek sensibel ausgeleuchteten Raums, ein flammend rotes, dornenumkränztes Herz in der Linken, den bedeutsamen Hochzeitsschleier in der Rechten. Neben ihr, im Wasser, liegt eine Nackte, vermutlich entstammt sie dem...
