Versehrte Seelen
Im Kopf des jungen Mannes herrscht ein Riesen-Durcheinander. Seine gesamte Identität schwankt bedenklich, das Dasein erscheint ihm wie ein einziges Paradoxon. Auf der einen Seite fühlt sich Lisandro Vega, den sie alle nur Eisejuaz nennen, verbunden mit jenem indigenen Stamm aus dem Norden Argentiniens, als dessen Mitglied er aufgewachsen ist, auf der anderen prägt ihn die Sozialisation durch eine Missionsstelle mit ihren strengen Geboten.
So zieht es ihn einerseits immer wieder zur vertrauten schamanischen Tradition, Eisejuaz kommuniziert mit den Tieren und den Bäumen, die zu ihm sprechen. Zugleich führt er ein (bürgerliches) Leben, in dem ihm puristische Pastoren das Schreiben und Lesen beibringen, aber auch Gehorsam, ja, Unterwerfung fordern. In diesem Gestrüpp dröhnen die Kettensägen und die Lastwagen, die Ladung um Ladung das Biotop des Waldes zerstören – Eisejuaz selbst nimmt daran teil, indem er zeitweise in einem Sägewerk arbeitet. Und stößt dabei auf eine Vielzahl von Menschen, die ihm mit den unterschiedlichsten Forderungen begegnen.
So schildert es die argentinische Schriftstellerin Sara Gallardo in «Eisejuaz», ihrem beklemmenden Roman aus dem Jahr 1971. Dieser ist in ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Peter Hagmann
Was für ein famoses Experiment der Satire: Florian Leopold Gassmann wendet die Typenkomödie der Opera buffa, wie sie im Stegreiftheater der Commedia dell’Arte vorgebildet ist, auf die tragischen Heldengeschichten der Opera seria an. Letztere war anno 1769 zur Uraufführung von Gassmanns Satire «L’Opera Seria» am Burgtheater schon arg in die Jahre gekommen. Gluck...
Seit «Tiefland» befand sich Eugen d’Albert in Hochstimmung. Die Oper feierte landauf, landab Erfolge, die ihm kaum weniger wichtig waren als seine Erfolge bei Frauen. Jede Hochzeit steigerte im Freundeskreis die spöttische Bewunderung, und am Ende wusste niemand mehr, ob der englisch-französische Deutsche mittlerweile die fünfte oder sechste Ehe führte, was einen...
Nicht wenige Opernkomponisten (und keineswegs nur diejenigen, die lediglich eines geschrieben haben, wie Beethoven) werden auf ein einzelnes Werk reduziert. Bei Carl Maria von Weber etwa denkt jeder sofort an den «Freischütz». «Oberon», «Euryanthe» und «Silvana» hingegen fristen ein trauriges Schattendasein. Camille Saint-Saëns wird wohl noch in 100 Jahren als...
