«Vermutlich bin ich barock»

Kaum eine Sängerin hat ein so weit gespanntes Repertoire wie Sandrine Piau. Es reicht von Monteverdi bis Berio, von Händel bis Strawinsky. Dennoch gilt die französische Sopranistin vielen als Expertin für die Opern Händels. Wie sie zwischen den Stilen und Epochen hin- und herwandert, was der Vorteil von klein besetzten Ensembles ist und warum sie Benjamin Britten als ihren Lieblingskomponisten bezeichnet, erläutert sie im Gespräch mit Jürgen Otten.

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Frau Piau, ein Satz von Ihnen steht unverrückbar im Raum: Sänger sind verrückte Menschen. Ist es tatsächlich notwendig, verrückt zu sein, um eine gute Sängerin oder ein guter Sänger zu sein?
Sagen wir es so: Nicht alle Sänger sind verrückt. Aber jeder Künstler muss ein bisschen egozentrisch sein, wenn er auf die Bühne geht. Sonst klappt es nicht. Und was wir nicht vergessen dürfen: Dirigenten und Regisseure sind noch viel verrückter. Außerdem haben sie weit mehr Macht als wir. Immer mehr Sänger machen, was diese Leute sagen. Das gefällt mir nicht so.

Was machen Sie denn, wenn Sie auf einen Regisseur treffen, dem Sie kein Wort glauben?
Ich habe bisher sehr viel Glück gehabt. Ein-, zweimal habe ich mir gesagt: Es wird jetzt ein Tunnel. Durch den bin ich dann hindurchgegangen. Am Anfang bin ich immer sehr reserviert, meist aus Unsicherheit. Außer bei Regisseuren wie Pierre Audi, dem ich vollends vertraue und den ich seit sechzehn Jahren kenne. Ich weiß genau, was er will. Und ich verstehe seine Sprache. Es ist meine eigene. Meine ers­te große Produktion mit ihm war die Monteverdi-«Poppea» in Amsterdam. Ich habe wirklich etwas gelernt: Körperkontrolle, dramatischen Fokus. Sehr viel später ...

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Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Interview, Seite 16
von Jürgen Otten

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