Danse macabre

Auf nachtschwarzer Bühne: Carl St. Clair und Hans Neuenfels räumen an der Komischen Oper Berlin mit «Traviata»-Klischees auf

Opernwelt - Logo

Verdis Musik leuchtet in die Raumfinsternis hinein, in ein Menschendrama in nachtschwarzem Bühnenkasten. Und Carl St. Clair unterstreicht gleich im Vorspiel zu «La traviata», seiner ersten Berliner Premiere, fast feierlich das lyrische Gebet der hohen Streicher, den Ausdruck trauernder Inständigkeit, der unmittelbar auf die verletzte Seele und am Ende auf den Tod der Violetta Valery verweist. Der neue Generalmusikdirektor der Komischen Oper treibt Verdis Partitur scharf, präzise, hart federnd in die Atemlosigkeit des Dramas dieser Frau.

Tatsächlich zielt die Regie von Hans Neuenfels radikal auf das verzweifelte Drei-Personen-Kammerspiel um Violetta Valery, den Vater und den Sohn Germont, zielt in aller Härte auf das Unglück dieser Kurtisane, ihr unverhofft großes und wahres Gefühl, das sie beiden Männern opfern muss. Neuenfels will die «Traviata» nur in dieser verengten, doch existenziell zugespitzten Dimension verstehen, alles andere, das konventionell Gesellschaftliche aus dem alten Paris, lässt er beiseite. Dass es sich laut Verdi um eine «wirkliche Prostituierte» handelt, macht die Aufführung zunächst eher dezent deutlich. Doch am Ende steht Violetta Valery gnadenlos auf einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Wolfgang Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Rastlose

Zur Oper, die er vor einem Jahr im Gespräch mit «Opernwelt» als «Schwerpunkt» seiner Arbeit bezeichnete (siehe OW 1/2008), hat Richard Hickox erst relativ spät gefunden. Die ersten Impulse seiner musikalischen Sozialisation empfing er nicht auf einem Stehplatz in Covent Garden oder im Coliseum, sondern unter dem Dach der anglikanischen Kirche. Wenn sein Vater,...

Mit einem Tropfen Rosenöl

Renée Fleming hat sich in den letzten Jahren auf der Bühne wie im Konzertsaal als eine führende Interpretin der Musik von Richard Strauss profiliert. Als Marschallin, Arabella, «Capriccio»-Gräfin und zuletzt Daphne hat sie für die jüngere Zeit Maßstäbe gesetzt, die «Vier letzten Lieder», die sie bereits 1995 aufgenommen hat, sind von je ein fester Pfeiler in ihrem...

Kinderweihnachtsmärchen

Der chinesisch-amerikanische Komponist Tan Dun ist ein seltsamer Fall. Seine Vorbilder, sagte er einmal, seien Toru Takemitsu und John Cage, Hans Werner Henze und Dmitri Schostakowitsch. Gegensätzlicher könnten geistige Väter kaum sein. Der Personalstil des postmodernen «Mischlings» ist also vor allem daran zu erkennen, dass er keinen hat. Tans Werke sind offen für...