Früchte des Zorns

Tragödien, wohin das Auge blickt bei den Salzburger Festspielen. Peter Sellars und Teodor Currentzis deuten Mozarts «Idomeneo» als Ideendrama, Simon Stone und Thomas Hengelbrock verlegen Cherubinis «Médée» ins Heute, durch Pascal Dusapins «Medea­material» und Iannis Xenakis’ «Kraanerg» weht der Wind der Anarchie, Marius Felix Langes «Gesang der Zauberinsel» beschwört magische Kräfte, in Hofmannsthals «Jedermann» und Gorkis «Sommergäste» tummeln sich lauter verlorene Seelen

Opernwelt - Logo

Die Idee ist bezwingend charmant und poetisch. Ein «organisierter Traum» sollen die Salzburger Festspiele nach dem Willen ihres Intendanten Markus Hinterhäuser sein, und ebenso eine «Education sentimentale» aus dem Geiste Flauberts. Ein hoher Anspruch, der sich im Grunde nur dialektisch lösen lässt im Angesicht der in diesem Jahr programmierten Bühnenwerke. Vieles bewegt sich im mythischen Feld, in Sphären, in denen die Götter zürnen und die Menschen um ihr Heil fürchten müssen.

Mittendrin starke, liebende, mächtige, verzweifelte Frauen: Medea, Elettra, Ilia, Alcina sowie einige illustre, ins Groteske verzerrte Sommergäste. Ein sehr anspruchsvolles Personal, das nicht in jeder Interpretation zu seinem Recht kommt. Musikalisch aber herrscht höchstes Niveau

Armer Teufel. Wie gerne würde er seinen Schützling, den todgeweihten Jedermann, in die Arme schließen. Allein, da ist kein Durchkommen. Werke und Bruder Glaube stehen im Weg, finster entschlossen. Ein echter Beelzebub aber, vor allem einer mit zwei Schwänzen (einer hinten, wie es sich gehört, einer vorne, was sehr lustig ausschaut), lässt sich so leicht nicht unterkriegen. Also schwingt er sich hinauf zur großen Philippika über ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Apropos... Treue

Frau Frank, Theater lebt von Veränderung – hätten Sie lieber noch andere Engagements gehabt?
Nein. Ich war immer ganz glücklich hier. Als Ehefrau – mein Mann war Konzertmeister in Mannheim – und Mutter zweier Kinder gab es für mich noch ein anderes Leben. Wir hatten uns in Amerika kennengelernt und wollten keine Fernbeziehung führen. Ein paarmal gastierte ich...

TV-Klassiktipps September/Oktober 2019

arte

01.09. – 17.35 Uhr
Konzert am Mailänder Domplatz 2019

Werke von Dvořák und Rota
ML: Chailly

07.09. – 19.30 Uhr
Das Wunder von Nairobi

Inmitten des gefährlichsten Slums von Nairobi wurde vor zehn Jahren ein klassisches Jugendorchester gegründet. Bis dahin hatte kaum jemand in Korogocho eine Geige oder ein Cello gesehen. Heute erklingen nahe der Mülldeponie Sonaten...

Was kommt... September/Oktober 2019

Ruhrtriennale
Auch für ihre zweite Spielzeit als Intendantin und Künstlerische Leiterin hat Stefanie Carp das Motto «Zwischenzeit» gewählt. Christoph Marthaler sucht «Nach den letzten Tagen», Ligetis Requiem steht im Zentrum von Kornél Mundruczós «Evolution», Heiner Goebbels untersucht in «Everything that happened and would happen» europäische Geschichte. Wir...