Verloren im Raum
Stellen wir uns vor: ein Opernlaboratorium. Darin wirken nicht nur Dirigenten und Librettisten, Regisseure, Bühnen- und Kostümbildnerinnen, Sängerinnen und Sänger sowie multimediale Profis, dort trifft man zudem Spezialisten anderer, eher kunstferner Disziplinen. Was sie eint, ist das Ziel. Und das besteht im konkreten Fall darin, acht sogenannte Wissenschafts-Opern zu schaffen, die aktuell relevante Gesellschaftsthemen aufgreifen und sie in Kunst verwandeln.
Die Regisseurin Jekaterina Wassiljewa, Organisatorin der Gruppe «KoOPERation», sieht ihre Aufgabe vor allem darin, einen kreativen Dialog zwischen den Vertretern der einzelnen «Berufe» herzustellen. Ein nachgerade herkulisches Ansinnen. Denn was schon im 17. Jahrhundert als Paradigma existierte, ist auch heute noch zuweilen traurige künstlerische Wirklichkeit: Viele Köche verderben den Brei. Der Komponist würde den Großteil dessen, was der Librettist geschrieben hat, am liebsten in den Müll werfen, der Regisseur misstraut von Anfang an grundsätzlich allem, was die beiden schöpferischen Naturen ihm vorgelegt haben. Und wenn dann noch die Ausführenden dazukommen, ist die Sache fast schon zum Scheitern verurteilt: Das ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexej Parin
Nach der Uraufführung von Bellinis «Zaira» 1829 in Parma hagelte es Spott: Wer die Inspiration von Herrn Bellini finden sollte, werde gebeten, sie im Büro des Impresarios abgeben – so der bissige Appell auf den Straßenaushängen tags darauf. Die auf Voltaires gleichnamiger Tragödie beruhende Oper in der Libretto-Fassung von Felice Romani war der erste große...
Der Titel dieses kleinen, feinen Bandes führt, wiewohl absichtsvoll, in die Irre. Richard Wagner war vieles, ein Anthroposoph war er gewiss nicht. Udo Bermbach will ihm derlei Weltsicht auch keineswegs andichten. Sein plausibler Angang in der Studie «Der anthroposophe Wagner» zeigt vielmehr einen Sonderweg in Sachen Wagner-Rezeption und beleuchtet den...
Die Wahnsinnsgeschichte des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz ist eine mehrfach überschriebene. Zum einen durch die historischen Dokumente über seine Flucht von der vergeblich geliebten, von Goethe – seinem Bruder im Geiste – ebenfalls angehimmelten Friederike Brion zu Pfarrer Johann Friedrich Oberlin in ein Vogesendorf und in die Abgründe seiner Seele. Zum...
