Dunkel, brennend, forschend

Abschied von dem Komponisten Peter Maxwell Davies

Opernwelt - Logo

Das Erste, was mir an ihm auffiel, war sein Blick: dunkel, brennend, forschend. Dann die Art, wie er sprach, sanft, aber mit Nachdruck. Als ich Peter Maxwell Davies Ende der 1960er-Jahre kennenlernte, ahnte ich: Das ist einer, der jedes Wort meint, das er sagt. Einer, der furchtlos ist. Tatsächlich kannte Max keine falsche Scheu. Nicht im Umgang mit den Kritikern, nicht im Umgang mit der Queen (vielleicht machte sie ihn deshalb zum Companion of Honour?). Und auch nicht im Umgang mit dem Tod.



Dass er am Ende der Welt hauste – im nördlichsten Schottland, auf den wettergepeitschten Orkney-Inseln –, heißt nicht, dass er elitär, gar wirklichkeitsfremd gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Wenn Max an etwas glaubte, handelte er. Egal, ob er ein Festival für das kleine Völkchen auf den Orkneys auf die Beine stellen oder als Master of the Queen’s Music die Massen erreichen wollte. Selbst für Demos war er sich nicht zu schade: Als die britische Regierung beschloss, Truppen in den Irak zu schicken, sah man ihn marschieren. Max liebte das Leben, nahm Anteil, mischte sich ein. Und das machte ihn auch als Komponist einzigartig.

Ich kann mich noch genau an die Uraufführung seiner ersten Oper ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Sally Groves

Weitere Beiträge
Krimikomödie

Noch bis Ende 2016 bleiben die Pforten der Pariser Opéra Comique geschlossen – eine Totalrenovierung steht an. Der Komponist Marc-Olivier Dupin und sein ­Librettist Ivan Grinberg haben den Vorhang einfach im Internet wieder hochgehen lassen. In der Weboper «Le Mystère de l’écureuil bleu» ist das Haus an der Place Boieldieu schon frisch herausgeputzt, man fiebert...

Schlamm, Blut und Tränen

Lange Zeit hatte Bohuslav Martinus «Griechische Passion» einen schweren Stand: 1957 von Covent Garden vor der Uraufführung abgelehnt, erfuhr das Werk gravierende Umarbeitungen, ehe es – erst nach dem Tod des Komponisten – 1961 in Zürich aus der Taufe gehoben wurde. Ein Renner ist das auf einem Roman von Nikos Kazantzakis basierende Stück immer noch nicht. Denn die...

Fruchtbare Schmerzen

Das also ist das Elysium. Diese knallbunte Skulptur, die ein bisschen nach kunstvoll zusammengedrückten Pappstreifen aussieht. Ein Dichterhimmel wohl: Choristen lümmeln darauf, durch Sonnenbrillen lesend. Sonst sieht nicht viel nach Star-Architektur aus im neuen «Orfeo» der Berliner Staatsoper – und das ist auch besser so. Nichts gegen das Gefältel. Aber sollte ein...