Vergiftete Walzer
Die Bregenzer Bühne – eine Waschküche. Ein Mädchen schält sich aus dem Dunst heraus. Die junge Frau beginnt zu singen, für sich, leise auch und wie von weither. Sie singt vom Mädel in der Wachau. Es wird noch manches Wiener Lied angestimmt – aber anders, als man’s kennt, neu komponiert, verquerer. Die Belgierin Ilse Eerens führt einen ganz zarten, eigentlich schon verletzlichen Sopran ins Treffen. Sie wird den Uraufführungsabend im Festspielhaus auch weiterhin dominieren, dann aber auch mit dramatischen Verzweiflungsausbrüchen, mit dringlich wirkendem Höhenglanz.
Es ist eine alte Geschichte, die da aus dem Nebel steigt und auch wieder darin versinkt: Ödön von Horváths berühmtestes Stück, seine «Geschichten aus dem Wiener Wald» (Berlin, 1931). Von Marianne berichtet es, der Tochter des «Zauberkönigs», eines Spielwarenhändlers im Achten Bezirk von Wien. Den ihr zugedachten Fleischer Oskar will sie nicht mehr, als der Hallodri Alfred sie umschmeichelt. Er macht ihr ein Kind, und bald hat er sie über. Seine Großmutter bringt den Kleinen um. Marianne strandet als Nackttänzerin im «Maxim». Zum Schluss bemühte Versöhnung. Und nun doch Oskar. Er schleppt sie wie eine Trophäe auf den Armen ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Heinz W. Koch
Hinströmendes Leben voller Wärme und Wahrheit» – mit diesen Worten hat Gustav Rudolf Sellner, der langjährige Intendant der Deutschen Oper Berlin, die künstlerische Ausstrahlung der spanischen Sopranistin Pilar Lorengar charakterisiert, die dort 1958 in Orffs «Carmina burana» debütierte und bis zu ihrem Abschied von der Bühne als Tosca 1991 Mitglied dieses Hauses...
So gehört sich’s. Der Tenor unserer Tage singt nicht mehr aus Notenblättern oder Klavierauszügen, sondern er hat sie in seinem Tablet gespeichert. Er blättert nicht mehr, sondern er klickt. Er braucht sein Gepäck nicht unnötig zu belasten. Wenn er aufs Podium geht, liegt kein Papier auf seinem Notenpult, sondern ein kleiner, flacher Lesebildschirm. Michael Spyres,...
Herr Villazón, Sie singen viel, aber mittlerweile inszenieren auch Sie fast so viel wie hauptberufliche Regisseure. Wann haben Sie eigentlich die Zeit gefunden, das Buch zu schreiben? Zwischen zwei und vier Uhr morgens?
Zu Beginn des Prozesses nehme ich, wenn immer ich kann, hie und da ein, zwei Stunden Zeit zum Schreiben, später sind es oft ganze Tage am Stück. Ich...
