Vergiftete Walzer

Nach elf Intendantenjahren verabschiedet sich David Pountney aus Bregenz – mit der Uraufführung von HK Grubers «Geschichten aus dem Wiener Wald» und einer zweiten Serie seiner knallbunten «Zauberflöte» auf der Seebühne

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Die Bregenzer Bühne – eine Waschküche. Ein Mädchen schält sich aus dem Dunst ­heraus. Die junge Frau beginnt zu singen, für sich, leise auch und wie von weither. Sie singt vom Mädel in der Wachau. Es wird noch manches Wiener Lied angestimmt – aber anders, als man’s kennt, neu komponiert, verquerer. Die Belgierin Ilse Eerens führt einen ganz zarten, eigentlich schon verletzlichen Sopran ins Treffen. Sie wird den Uraufführungsabend im Festspielhaus auch weiterhin dominieren, dann aber auch mit dramatischen Verzweiflungsausbrüchen, mit dringlich wirkendem Höhenglanz.

Es ist eine alte Geschichte, die da aus dem ­Nebel steigt und auch wieder darin versinkt: Ödön von Horváths berühmtestes Stück, seine «Geschichten aus dem Wiener Wald» (Berlin, 1931). Von Marianne berichtet es, der Tochter des «Zauberkönigs», eines Spielwarenhändlers im Achten Bezirk von Wien. Den ihr zugedachten Fleischer Oskar will sie nicht mehr, als der Hallodri Alfred sie umschmeichelt. Er macht ihr ein Kind, und bald hat er sie über. Seine Großmutter bringt den Kleinen um. Marianne strandet als Nackttänzerin im «Maxim». Zum Schluss bemühte Versöhnung. Und nun doch Oskar. Er schleppt sie wie eine Trophäe auf den Armen ...

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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Heinz W. Koch

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