Reflexion und Ritual
Rhythmisch wiegen sich die Sänger der ägyptischen Sufi-Gruppe «Al-Tariqa Al-Gazoulia», um sich einzustimmen auf das Ritual, das sonst nur in den Räumlichkeiten der islamischen Glaubensgemeinschaft stattfindet. Zum ersten Mal führten die Sufis bei den Salzburger Festspielen ihr Gebet öffentlich vor: ein monodischer Lobpreis Allahs, der nach etwa einer halben Stunde auch orientalische Instrumentalmusik beinhaltet.
In achtzehn Konzerten wurde bei den Salzburger Festspielen unter dem Titel «Ouverture spirituelle» die Musik des Islam mit geistlicher Musik des Okzidents konfrontiert. Und so stießen die rauen Sufi-Gesänge auf Monteverdis «Marienvesper» oder Händels selten gespieltes «Dixit Dominus» – in wunderbar plastischen und farbigen Wiedergaben durch den britischen Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists unter John Eliot Gardiner. Ein weiteres, wichtiges Zeichen setzte Jordi Savall mit einem Völker verbindenden Projekt, das exzellente Musiker der Balkanländer, Syriens und Israels vereinte.
Ein Dialog der Kulturen fand auch im parallelen Kongress «Disputationes» statt, bei dem führende Orientalisten ein ganz anderes Bild des Islam zeichneten als jenes von Mord und Terror ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Reinhard Kager
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