Reflexion und Ritual
Rhythmisch wiegen sich die Sänger der ägyptischen Sufi-Gruppe «Al-Tariqa Al-Gazoulia», um sich einzustimmen auf das Ritual, das sonst nur in den Räumlichkeiten der islamischen Glaubensgemeinschaft stattfindet. Zum ersten Mal führten die Sufis bei den Salzburger Festspielen ihr Gebet öffentlich vor: ein monodischer Lobpreis Allahs, der nach etwa einer halben Stunde auch orientalische Instrumentalmusik beinhaltet.
In achtzehn Konzerten wurde bei den Salzburger Festspielen unter dem Titel «Ouverture spirituelle» die Musik des Islam mit geistlicher Musik des Okzidents konfrontiert. Und so stießen die rauen Sufi-Gesänge auf Monteverdis «Marienvesper» oder Händels selten gespieltes «Dixit Dominus» – in wunderbar plastischen und farbigen Wiedergaben durch den britischen Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists unter John Eliot Gardiner. Ein weiteres, wichtiges Zeichen setzte Jordi Savall mit einem Völker verbindenden Projekt, das exzellente Musiker der Balkanländer, Syriens und Israels vereinte.
Ein Dialog der Kulturen fand auch im parallelen Kongress «Disputationes» statt, bei dem führende Orientalisten ein ganz anderes Bild des Islam zeichneten als jenes von Mord und Terror ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Reinhard Kager
Frau Aikin, Sie haben fünfzehn Jahre in Italien gelebt. Warum wollten Sie da weg?
Das hatte zum einen private Gründe. Es war aber auch eine Entscheidung für den Beruf. Als amerikanische Sängerin, die hauptsächlich deutsches Fach singt, sah ich in Italien keine Zukunft mehr. Ich will singen, und ich will unterrichten. In Deutschland habe ich ganz andere...
Seit über Kunst nachgedacht wird, also schon sehr lange, treibt die Frage um, was Musik eigentlich sei. Das «Schöne», sein Eigenwert, seine Funktion, in Abgrenzung zum «Hässlichen» – darum kreisen die Debatten. Im deutschen Kulturbereich scheint das Thema nach wie vor blockiert. Idee wie Ideologie der «absoluten» Musik haben diese festgelegt auf die kunstreligiöse...
Hinströmendes Leben voller Wärme und Wahrheit» – mit diesen Worten hat Gustav Rudolf Sellner, der langjährige Intendant der Deutschen Oper Berlin, die künstlerische Ausstrahlung der spanischen Sopranistin Pilar Lorengar charakterisiert, die dort 1958 in Orffs «Carmina burana» debütierte und bis zu ihrem Abschied von der Bühne als Tosca 1991 Mitglied dieses Hauses...
