Verdi: Simon Boccanegra
Verdis «Simon Boccanegra», ein Meisterwerk, war in Berlin seit über zwanzig Jahren nicht zu sehen. Weder Giancarlo del Monacos Vorgängerinszenierung (unter Giuseppe Sinopoli) noch Claudio Abbados konzertanter Einsatz mit den Berliner Philharmonikern konnte dem Werk dauerhaft nützen. Lorenzo Fioroni, der bisher in Münster und Kassel hervorgetreten ist, inszeniert das Werk an der Deutschen Oper, als befänden wir uns noch in der Zeit von Götz Friedrich – bei dem er, ebenso wie Kirsten Harms, das Handwerk gelernt hat.
Zwischen Gleisen (einem Lieblingsmotiv Friedrichs), auf Bahnhöfen und in Zugwaggons wird die Verschwörungsgeschichte um den Dogen von Genua «aktualisiert» – als Zeitreise des Scheiterns. Wie so oft spielt die Handlung zur Entstehungszeit der Oper (statt im 14. Jahrhundert). Mit der Methode, durch einen Ortswechsel neue Perspektiven auf ein Werk zu eröffnen, kehren kurioserweise auch zahlreiche Requisiten der Friedrich-Ära zurück. Es gibt wieder Lackstiefel, untersetzte Alt-Punks und Balletteinlagen mit Statisten. In Bildern wie dem in die Breite gezogenen Eisenbahnabteil, der für den Senat von Genua und die Privatgemächer des Dogen den Schauplatz bildet, finden Fioroni ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Klassische Musik kann für Kinder sehr attraktiv sein», meinte kürzlich Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats, «wenn man sie ihnen richtig vermittelt». Doch was heißt es, die Kleinen «richtig» an die Großen der klassischen Musikkultur heranzuführen?
Im letzten Heft haben wir am Beispiel ausgewählter Opernhäuser und Jugendmusiktheater...
Von Honoré de Balzac, einem der aufmerksamsten Chronisten des 19. Jahrhunderts, stammt eine Sentenz, die das Phänomen Bohème folgendermaßen charakterisiert: «Die Bohème hat nichts und lebt von dem, was sie hat. Die Hoffnung ist ihre Religion, der Glaube an sich ist ihr Gesetzbuch, die Wohlfahrt gilt ihr als Budget. Alle diese jungen Menschen sind größer als ihr...
Ein trüber Novembernachmittag in Bayern, Volkstrauertag. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass in den Wohnzimmern Friedhofsruhe herrscht. Für viele Kinder des Sendegebiets ist die Stunde von fünf bis sechs der Höhepunkt des Wochenendes – vor dem Radiogerät. Auf Bayern 4 Klassik meldet sich Julia Schölzel, Moderatorin der Sendung «Doremikro»: Ins Studio ist ein...
