Verdi: Simon Boccanegra

Berlin

Opernwelt - Logo

Verdis «Simon Boccanegra», ein Meis­terwerk, war in Berlin seit über zwanzig Jahren nicht zu sehen. Weder Giancarlo del Monacos Vorgängerinszenierung (unter Giuseppe Sinopoli) noch Claudio Abbados konzertanter Einsatz mit den Berliner Philharmonikern konnte dem Werk dauerhaft nützen. Lorenzo Fioroni, der bisher in Münster und Kassel hervorgetreten ist, inszeniert das Werk an der Deutschen Oper, als befänden wir uns noch in der Zeit von Götz Friedrich – bei dem er, ebenso wie Kirsten Harms, das Handwerk gelernt hat.


Zwischen Gleisen (einem Lieblings­motiv Friedrichs), auf Bahnhöfen und in Zugwaggons wird die Verschwörungsgeschichte um den Dogen von Genua «aktualisiert» – als Zeitreise des Scheiterns. Wie so oft spielt die Handlung zur Entstehungszeit der Oper (statt im 14. Jahrhundert). Mit der Methode, durch einen Ortswechsel neue Perspektiven auf ein Werk zu eröffnen, kehren kurioserweise auch zahlreiche Requisiten der Friedrich-Ära zurück. Es gibt wieder Lack­stiefel, untersetzte Alt-Punks und Balletteinlagen mit Statisten. In Bildern wie dem in die Breite gezogenen Eisenbahnabteil, der für den Senat von Genua und die Privatgemächer des Dogen den Schauplatz bildet, finden Fioroni ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2007
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Achse des Guten

Über dem Mozart-Hype hätte man beinahe den anderen Jubilar vergessen, hundert Jahre jünger als der Jahresregent: Sigmund Freud. Von ihm stammt der Satz «Was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg», was wiederum als Spielstein fugenlos ins Programm­puzzle von «New Crowned Hope» passen würde. Künstler müssen der Welt Zeichen und Bilder des...

Puccini: La Bohème

Von Honoré de Balzac, einem der aufmerksamsten Chronisten des 19. Jahrhunderts, stammt eine Sentenz, die das Phänomen Bohème folgendermaßen charakterisiert: «Die Bohème hat nichts und lebt von dem, was sie hat. Die Hoffnung ist ihre Religion, der Glaube an sich ist ihr Gesetzbuch, die Wohlfahrt gilt ihr als Budget. Alle diese jungen Menschen sind größer als ihr...

Die Ehrenrettung kann gelingen

Am Ende wird die Ehre der zu Unrecht des Ehebruchs beschuldigten Genoveva wiederhergestellt. Das Ehepaar umarmt sich, man denkt an den Schlusschor in «Fidelio»: «Wer ein solches Weib errungen...» Doch hier ist der Jubel nur verhalten, innig, tief, nicht überschwänglich. Genau da liegt das Problem. In Schumanns einzigem vollendeten Bühnenwerk fehlt meist, was Oper...